Anleitung fürs Igelhaus: Aufbau und Tipps zur Ansiedlung

Der Igel ist ein Nimmersatt und verspeist während seinen nächtlichen Ausflügen Unmengen von Schnecken und Insekten. Leider findet er in unseren Gärten oftmals keine geeigneten Nistgelegenheiten und Winterquartiere mehr.

 Das Aufstellen eines Igelhauses kann Abhilfe schaffen. Es dient den Igeln als Winterquartier, als Tagesversteck, und von Mai bis September zur Aufzucht des Nachwuchses. Mit abnehmbarem Dach für eine einfache Reinigung. Hergestellt aus Schweizer Tannenholz in einer sozialen Einrichtung in der Schweiz.

Der Bausatz ist einfach zusammenzubauen; die Dachpappe ist bereits montiert, und die Löcher vorgebohrt. Es muss nur noch verschraubt werden.  

Produktbild zu «Biogarten Igelhaus Bausatz» | © BEWO Genossenschaft Berufliche

Igelhausbausatz - Anleitung

Diese Anleitung für den Zusammenbau des Igelhaus-Bausatzes von Andermatt Biogarten befindet sich ebenfalls auf der Verpackung. Sollte diese beschädigt oder abhanden gekommen sein, ist hier die Anleitung nochmals für Sie zusammengefasst.
 
Generell gilt: alle Teile so verschrauben, dass die Seiten mit den Klammern zur Innenseite des Igelkastens gerichtet sind. 
Die langen Schrauben sind für die Elemente, die mit dem Boden oder den Seiten verschraubt werden, die kurzen Schrauben für die Dachelemente.

 

  1. Boden (A) (Füsse nach unten) mit der Rückwand (B) verschrauben. Lange Schrauben benutzen. Darauf achten, dass die vorgebohrten Löcher für die Trennwand in der Rückwand von vorne gesehen auf der linken Seite liegen und die Klammern in der Rückwand gegen die Innenseite gerichtet sind.
  2. Seitenwände (C) montieren. Darauf achten, dass sie aussenseitig bündig mit dem Boden sind und hinten mit der Rückwand. Die Klammern liegen gegen die Innenseite. Lange Schrauben verwenden. 
  3. Trennwand (E) einsetzen und mit der Rückwand verschrauben. Der Durchgang liegt näher an der Rückseite. Lange Schrauben verwenden.
  4. Vorderseite (D) an die Seitenwände (C), sowie an die Trennwand (E) und Boden (A) verschrauben. Klammern sind gegen innen gerichtet, lange Schrauben verwenden. Der Igel ist auf der Aussenseite des Hauses.
  5. Beide Dachplatten (F) mit der beschichteten Seite nach unten legen. Darauf achten, dass die längere Dachpappe überlappend ist. 
  6. Eine der langen Dachleisten (G) auf den Dachplatten (F) positionieren. 
  7. Für den Abstand zur seitlichen Dachkante die breite kurze Dachleiste (H1) zur Hilfe nehmen.
  8. Für den Abstand zur vorderen oder hinteren Dachkante die schmale kurze Dachleiste (H2) zur Hilfe nehmen.
  9. In dieser Anordnung die eine Seite der langen Dachleiste festschrauben. Für die andere Seite genau gleich vorgehen. Kurze Schrauben benutzen.
  10. Bei der zweiten langen Dachleiste genau gleich ebenfalls mithilfe der kurzen Dachleisten zuerst die eine Seite positionieren und verschrauben, dann die andere Seite.
  11. Die beiden kurzen Dachleisten (H1 und H2) aussen bündig in den Zwischenraum der langen Dachleisten legen und verschrauben.

Geschafft! Fertig ist das Igelhaus.

 

Der perfekte Platz und die richtige Pflege fürs Igelhaus

Standortwahl für das Igelhaus

Das Igelhaus sollte möglichst früh im Herbst an einer schattigen, versteckten, ruhigen Stelle unter Büschen oder einer Hecke aufgestellt werden, damit sich die Igel daran gewöhnen können. Die Tiere beginnen dann schon bald, ihr Winterquartier zu suchen und vorzubereiten.

Richten Sie den Eingang zur wetterabgewandten Seite aus; dies ist in der Regel nach Südost.

Im hinteren Raum einige trockene Herbstblätter in den Kasten und auch davor ausstreuen, so dass der Igel diesen Geruch kennt und sie nach eigenen Bedürfnissen verwenden kann.

Keinesfalls zu früh nachschauen, ob ein Igel „eingezogen“ ist. Dies würde das Tier aufschrecken oder gar vertreiben. Um zu prüfen, ob das Haus angenommen wurde, kann ein kleiner Zweig vor dem Eingang platziert werden, den der Igel beim Rein- und Rauslaufen zur Seite schaffen muss.

Im Winter, wenn der Igel im Winterschlaf ist, kann behutsam das Dach geöffnet, geschaut und kontrolliert werden.

 

Reinigung und Pflege

Im Frühjahr sollte das verlassene Igelhaus gründlich gereinigt werden. Bei starker Verschmutzung den Dreck rauskratzen und mit warmem Wasser reinigen. Das Igelhaus an der Sonne gut austrocknen lassen. Bei geringer Verschmutzung das Haus nur mit einer Bürste trocken ausbürsten.

Es wird empfohlen, das Haus zusätzlich mit einem natürlichen Leinöl zu behandeln (nur aussen). So steht das Igelhaus für die Igelmutter und hoffentlich ihre Jungen wieder bereit.

Was braucht der Igel um sich wohlzufühlen?

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Gärten gehören zu den wichtigsten Rückzugsgebieten der Igel. Eine naturnahe Gartengestaltung und Bewirtschaftung sind die besten Voraussetzungen, damit Igel sich einnisten.

Heutzutage sind die meisten Gärten leider zu ordentlich und der Igel findet dadurch nur schwer geeignete Rückzugsorte.

Vereinfacht gesagt braucht der Igel im Jahreszyklus drei verschiedene Schlafnester: 

  • Sommerschlafplatz; darf relativ karg ausgestattet sein.
  • Wurfplatz für die Igelmutter; muss gut gewählt und gebaut sein, um die Igelbabys vor dem Auskühlen und vor Feinden zu schützen.
  • Winterschlafplatz; bietet Schutz vor extremen klimatischen Bedingungen und die Möglichkeit für einen ungestörten Winterschlaf.

Einen natürlichen Unterschlupf finden Igel z.B. unter Dornengestrüpp, Reisig- und Laubhaufen, in Hecken oder auch in Höhlen von Baumwurzeln. Es können aber auch Hohlräume unter Gartenhäusern und Terrassen sein oder – als Ergänzung oder Ersatz – ein Igelhaus.

Besonders wohl fühlt sich der Igel in reich strukturierten, naturnahen Gärten, in denen er ausreichend Nahrung, Wasser und Verstecke findet. Auf seinen nächtlichen, teils kilometerlangen Streifzügen, vertilgt er je nach Jahreszeit die unterschiedlichsten Futtertiere wie  Schnecken, auf oder im Boden lebende Käfer, Regenwürmer, Raupen, Heuschrecken, Ohrwürmer, Tausendfüßler, Schmetterlinge, Falter und andere wirbellose Tiere und deren Larven. Je vielfältiger der Lebensraum ist, umso größer ist auch der Artenreichtum seiner Nahrungstiere.

Um diese Leckerbissen zu finden, streifen Igel weit umher. Für einen igelfreundlichen Garten ist deshalb wichtig, dass es keine Gartenzäune hat, durch die der Igel nicht schlüpfen kann.

Ein aufgeräumter Garten ist für den Igel weder hübsch noch lecker. Er wird diesen höchstens durchlaufen und weiter suchen.

Soll man Igel füttern?

Im Frühling: Aufwachen

Wenn die Außentemperaturen über längere Zeit (meist ungefähr Ende März) um 10 °C liegen, wachen die Igel aus dem Winterschlaf auf. Dabei ist das Igelmännchen der Igelvater der erste, der aufwacht. Die Igelmutter und die Jungen aus dem Vorjahr erwachen immer erst etwas später.

Der Aufwachvorgang dauert mehrere Stunden und der Igel verbraucht dabei enorm viel Energie. Dabei hilft ihm speziell das sogenannte „braune Fett“, das im Schulterbereich eingelagert ist. Beim Erwachen ist die Durchblutung bis zu 5-fach erhöht und die Herz- und Atemfrequenz ist stark beschleunigt. Die Muskeln, insbesondere die Beine, zittern stark.

Während des Winterschlafs verliert der Igel durchschnittlich 30 Prozent seines Körpergewichts. Aus diesem Grund beginnt der abgemagerte Igel sofort mit der Nahrungssuche. In dieser ersten Zeit kann es sinnvoll sein, den abgemagerten Gesellen an einem geschützten Ort Igelfutter hinstellen.

Sobald im Frühling jedoch genügend Insekten, Würmer und Schnecken vorhanden sind, um seinen Riesenhunger zu stillen, sollte sich der Igel das Futter selber suchen. Dadurch hilft er mit, unbeliebte Käfer und Schnecken im Garten zu bekämpfen. 

 

Im Herbst: Futtersuche, Nestbau und Winterschlaf 

Im September finden die Jungtiere noch reichlich Futter, so dass sie pro Nacht ohne weiteres 10 Gramm zunehmen können. Gegen Ende dieses Monats, d.h. mit ca. 6 Wochen, verlassen die Igelkinder ihre Mutter und wandern auf der Suche nach Nahrung in andere Gebiete. Die Igeljungen sollten vor dem Winterschlaf auf eigenen Füßen stehen, denn nur wer entsprechenden Futterspeck hat, überlebt.

Etwa ab Mitte Oktober nimmt das Angebot an Käfern und Larven schon deutlich ab, so dass die Jungen nur noch wenige Gramm pro Nacht anfuttern können. Die älteren Tiere - vor allem die Männchen, welche schon genügend Winterspeck angelegt haben - beziehen an wettergeschützten Stellen ihre laubgepolsterten Winternester und gehen bereits Anfang November in den Winterschlaf. Die Igelmutter - noch geschwächt durch die Aufzucht der Kleinen - benötigt länger, um die nötigen Reserven anzulegen.

Aus diesem Grund beginnen die Jungtiere und die Mutter oft zu spät mit dem Bau des schützenden Nestes. Es ist oftmals recht unordentlich, zu wenig wettergeschützt und isolierend gebaut, weshalb einige Tiere die kalte Jahreszeit nicht überleben. Dann ist es gut, wenn nicht erst ein Nest gebaut werden muss, sondern den Tieren ein eingerichtetes Igelhaus angeboten wird, welches trocken, windgeschützt und warm ist.

Aus diesen Gründen machte es Sinn, die Igel auch im Oktober an einem geschützten Ort zu füttern. Für den Winterschlaf rollen sich die Igel zu einer Kugel zusammen und ihre Körperfunktionen werden auf ein Minimum reduziert. Die Körpertemperatur von 36 °C sinkt auf etwa 5 °C, die Herzfrequenz von rund 200 Schlägen pro Minute auf 8 bis 20 und die Atemfrequenz von 40 bis 50 Atemzügen wird auf 3 bis 4 reduziert.

Es kann vorkommen, dass die Igel aufwachen. Meistens bleiben sie jedoch in ihrem schützenden Nest liegen, ansonsten würden sie zu viel Reserven verlieren.

Und was treibt der Igel sonst so?

Igel sind Einzelgänger. Während der Paarungszeit von Mitte April bis Ende August gehen Igelmännchen auf Partnersuche und legen dabei bis zu fünf Kilometer pro Nacht zurück. Der Paarungstrieb lässt die Männchen oft unvorsichtig werden, vor allem beim Überqueren von Strassen. Hat der Igelmann ein Weibchen gefunden, umwirbt er es heftig. Dabei schnaubt und schnauft, pufft und tuckert er deutlich hörbar.

Die Igelmutter wird immer wieder vom Männchen umkreist, doch häufig stößt sie es mit ihren Kopfstacheln zurück. Dieses Paarungsspiel, das auch „Igelkarussell“ genannt wird, kann Stunden dauern und muss auch nicht zwangsläufig zum sofortigen Erfolg führen.

Sobald das Männchen am Ziel seiner (Paarungs-)Träume angelangt und das Igelweibchen trächtig ist, geht das Igelpaar wieder getrennte Wege. Für die Aufzucht des Nachwuchses ist das Weibchen zuständig. Eine Igelfamilie im herkömmlichen Sinne gibt es nicht; Igelmütter sind alleinerziehend.

Die meisten Igelkinder kommen im August zur Welt, manche noch im September. Nach einer Tragzeit von rund 35 Tagen wirft die Igelmutter zwei bis sieben Jungtiere. Die neugeborenen Igel tragen bereits erste weiß gefärbte Stacheln. Augen und Ohren öffnen sich im Alter von zwei Wochen. 

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