Publiziert am 30.10.2026
Wer den Launen von Petrus und seinen ganzen Wetterkapriolen ohne passende Kleidung ausgesetzt ist, hat wenig zu lachen. Unseren Böden geht es nicht anders.
Die eierlegende Wollmilchsau für den «Bodenschutz» gibt es nicht, aber wir haben ein paar Asse im Ärmel, um den wechselnden Extremen durch die Jahreszeiten entgegenzutreten.
Vieles davon lässt sich im Wald abschauen. Dort liegt der Boden nie nackt, jeden Herbst fällt eine neue Laubdecke, und die Boden-WG macht daraus nach und nach Humus. Darum gilt der Ansatz, mit der Natur zu arbeiten und nicht gegen sie. Dafür muss man die Natur und ihre Zusammenhänge ein bisschen verstehen, und genau darum geht es hier, um Mulch und Bodenschutz.
Übersicht zum Inhalt dieser Seite zu Mulchen und Bodenschutz
Ein gesunder Gartenboden funktioniert wie ein Schwamm. Rund die Hälfte davon sind Hohlräume, in denen Wasser und Luft Platz finden, und mittendrin wohnt eine riesige Boden-WG aus Regenwürmern, Pilzen, Bakterien & Co., die Laub und Pflanzenreste zu Humus verarbeitet. Damit dieser Schwamm funktioniert, braucht er an der Oberfläche Schutz, und genau dort setzen Trockenheit, Starkregen und Frost an.
Nach wochenlanger Trockenheit sind die Poren im Boden mit Luft gefüllt. Kommt dann endlich Regen, kann die Luft gar nicht so schnell entweichen, wie das Wasser nachdrängt (wer schon einmal einen knochentrockenen Schwamm unter den Wasserhahn gehalten hat, kennt das).
Ausgerechnet der Humus, auf den man im eigenen Garten so stolz ist, wird beim Austrocknen plötzlich wasserabweisend. Der lang ersehnte Gewitterguss läuft dann zu einem grossen Teil oberflächlich ab, statt dort anzukommen, wo die Wurzeln ihn brauchen.
Auch die Boden-WG schaltet in den Sparmodus. Regenwürmer sind nur in feuchter Erde aktiv. Wird es ihnen zu trocken, ziehen sich die tiefgrabenden Arten in ihre Gänge zurück (die können mehrere Meter tief reichen), und ihre Verwandten aus der Streuschicht überdauern als Kokons.
Wieder in Schwung kommt der Boden nur Schritt für Schritt. Den ausgetrockneten Humus macht nicht der kurze Platzregen, sondern erst ein sanfter, länger anhaltender Regen wieder wasserfreundlich.
Mit der Feuchtigkeit erwachen auch die Mikroorganismen, und ihr Aktivitätsschub setzt Stickstoff frei (was das für das Düngen heisst, steht weiter unten bei «Nach dem Hitzesommer, der Boden im Herbst»). Darum lohnt es sich, zuerst zu wässern und erst dann zuzudecken und langfristig Humus aufzubauen.
Prasselt ein Sommergewitter auf nackte Erde, sprengen die Tropfen feine Bodenteilchen ab, die sich in die Poren einlagern und sie verstopfen. Die Oberfläche verschlämmt. Trocknet sie wieder ab, bleibt eine Kruste zurück, die beim nächsten Regen noch weniger Wasser durchlässt. Was nicht einsickern kann, sucht sich seinen eigenen Weg und nimmt dabei gleich noch die fruchtbare Erde mit, am liebsten dort, wo der Boden vorher schon staubtrocken war.
Wie viel Wasser ein Boden schluckt, hängt an seinen groben Poren, und an denen arbeitet die Boden-WG kräftig mit. In einem ungepflügten Ackerboden stecken bis zu 900 Meter Regenwurmröhren pro Kubikmeter, durch die das Wasser rasch in die Tiefe sickert. Die Wurmlosung enthält Ton-Humus-Komplexe, die wie ein Kitt wirken und die Krümel zusammenhalten. Zwischen diesen Krümeln liegen die groben Poren, durch die Wasser und Luft in den Boden kommen.
Wird der Boden zusammengedrückt, zum Beispiel von Baumaschinen beim Hausbau, gehen Krümel und Poren kaputt, und der Boden ist verdichtet. Das Wasser bleibt dann stehen oder fliesst ab, und den Wurzeln geht in der vernässten Erde die Luft aus.
Eine Mulchschicht oder eine dichte Pflanzendecke fängt die Wucht der Tropfen ab, und flache Mulden halten das Wasser im Garten, statt es in die Kanalisation zu schicken. Wie man den Garten im Sommer zusätzlich gegen Hagel und Sturm wappnet, steht auf der Seite «Hochsommer im naturnahen Biogarten».
Im Winter liegt das Problem woanders. Offener Boden trocknet bei Bise aus und verschlämmt bei Regen. Weil kaum noch etwas wächst, nimmt niemand den Stickstoff auf, der noch im Boden liegt.
Der Winterregen spült ihn mit dem Sickerwasser in die Tiefe, bevor im Frühling überhaupt jemand Hunger hat.
Die Regenwürmer ziehen sich in den frostfreien Teil ihrer Röhren zurück und werden an frostfreien Tagen wieder aktiv. Besonders tückisch wird es für Immergrüne. Sie verdunsten auch im Winter Wasser, und wenn der Boden gefroren ist, kommt von unten nichts nach (die Pflanze verdurstet also mitten im Schnee). Fachleute nennen das Frosttrocknis.
Ganz ohne Nutzen ist der Frost aber nicht. Wasser dehnt sich beim Gefrieren um rund 9 Prozent aus, und das Eis sprengt grobe Erdschollen auseinander (Frostgare genannt). Das klappt allerdings nur in gut durchfeuchtetem Boden, und tief sitzende Verdichtungen knackt auch der stärkste Frost nicht.
Eine Laubdecke dämpft Frost und Temperaturschwankungen, und Immergrüne bekommen vor dem Winter noch einmal eine ordentliche Portion Wasser. Wie Kübel und empfindliche Pflanzen gut eingepackt werden, zeigt die Seite «Winterhärtezonen und Winterschutz».
Mulch ist so etwas wie die Bettdecke für den Gartenboden, nur dass sie im Sommer kühlt und im Winter den Frost abfedert. Liegt die Decke einmal auf dem Beet, passiert darunter einiges, und zwar ganz ohne unser Zutun.
Das Wasser bleibt im Boden. Sonne und Wind kommen nicht mehr direkt an die Erde heran, und so verdunstet viel weniger Wasser. In einem Versuch des Deutschen Wetterdienstes sank die Verdunstung unter einer Mulchschicht um mindestens die Hälfte. Das ist Wasser, das man nicht mit der Giesskanne nachtragen muss ;-)
Der Regen wird abgebremst. Die Tropfen eines Gewitters prallen auf die Decke statt auf die nackte Erde. Die Oberfläche bleibt krümelig und durchlässig, das Wasser kann in Ruhe einsickern, und die fruchtbare Erde bleibt dort, wo sie hingehört.
Temperaturen werden abgefedert. Unter der Decke ist es im Sommer kühler und im Winter weniger frostig, was die Wurzeln und die Boden-WG sehr zu schätzen wissen. Im Frühling erwärmt sich ein gemulchter Boden dafür langsamer. Meistens ist das kein Problem, nur für frühe Aussaaten und unter frühblühendem Obst kommt die Decke im Frühling kurz zur Seite (mehr dazu bei «Wo die Decke besser fehlt»).
Das Bodenleben wird gefüttert. Regenwürmer ziehen das Material Stück für Stück in ihre Gänge und verarbeiten es zusammen mit Pilzen und Bakterien zu Humus. Humus wiederum kann viel Wasser speichern.
Unkraut hat es schwerer. Unter einer Mulchschicht keimen viele Samenunkräuter schlechter, weil ihnen das Licht fehlt. Wurzelunkräuter wie Giersch oder Quecke lassen sich davon allerdings nicht gross beeindrucken, die entfernt man darum vor dem Mulchen gründlich.
Wie dick eine Mulchschicht sein darf, hängt vor allem davon ab, wie fein und wie frisch das Material ist. Frischer Rasenschnitt zum Beispiel verklebt in dicken Lagen zu einem luftdichten Teppich und beginnt zu faulen (wer das einmal gerochen hat, vergisst es nicht so schnell). Grobes, holziges Material lässt dagegen Luft durch und darf ruhig dicker liegen.
| Material | Schichtdicke | Passt gut zu | Darauf achten |
|---|---|---|---|
| Laub, angetrocknet | Beete 3–5 cm, unter Gehölzen dicker | Beete, Hecken, Sträucher, Stauden | Kein Laub von kranken Pflanzen; Walnusslaub besser zuerst kompostieren; immergrüne Polsterstauden nicht zudecken |
| Rasenschnitt, angetrocknet | nur dünn, dafür öfter | Beeren, Gemüsebeete | Dick aufgetragen verklebt und fault er; keine versamten Gräser verwenden |
| Stroh, Schilf, Chinaschilf | 5–10 cm | Beerensträucher, Erdbeeren, abgeräumte Beete | Bindet an der Oberfläche etwas Stickstoff |
| Holz- und Zweighäcksel | 5–10 cm | Gehölze, Beerensträucher, Wege | Auflegen, nie einarbeiten; im Gemüsebeet nur auf den Wegen |
| Rinde, z. B. Lärchenrinde | 4–6 cm | Ziergehölze, Wege | Nicht ins Gemüsebeet |
| Schafwolle (Vlies, Mulchscheiben, Pellets) | als Matte oder Scheibe | Baumscheiben, Beerensträucher, Kübel | Im ersten Jahr wasserabweisend, darum einen Giessrand anlegen |
| Mineralischer Mulch, z. B. Ziegelsplitt, Ziegelsand, Lava- oder Kalksplitt | 5–7 cm | Sonnige, trockene Staudenbeete mit Steppen- und Steingartenstauden | Am besten bei der Neuanlage einbringen; nichts für schattige oder feuchte Beete; bei Recyclingziegeln auf saubere Ware ohne Beton achten; dichte Bepflanzung, kein Schottergarten |
| Reifer Kompost | dünn, höchstens 3 l/m² im Jahr | Gemüse- und Staudenbeete | Viele Gartenböden enthalten schon genügend Phosphor, zu viel Kompost führt zur Überdüngung. |
Mineralischer Mulch hat mit einem Schottergarten nichts zu tun. Der Splitt deckt den Boden zwischen dicht gesetzten Stauden ab, die Pflanzen bleiben also die Hauptsache (eine Steinfläche mit ein paar verlorenen Gräsern ist das Gegenteil davon). Für solche Beete wird eine Schicht von 5 bis 7 cm mit einer Körnung von 8 bis 16 mm empfohlen, und die Pflanzballen sollten mindestens 2 cm überdeckt sein, damit sie nicht austrocknen.
Ideal ist übrigens eine lebende Decke. Bodendecker, Unterpflanzungen und Gründüngungen beschatten den Boden, lockern ihn mit ihren Wurzeln und füttern die Boden-WG das ganze Jahr über. Welche Gründüngung wann gesät wird, steht auf der Seite «Der Gemüsegarten im Winter».
Zuerst wässern, dann zudecken. Mulch wirkt wie ein Deckel auf einem Kochtopf. Er hält die Feuchtigkeit im Boden, er hält aber auch einen Teil von leichtem Regen und Giesswasser zurück, weil die Tropfen in der Schicht hängen bleiben, bevor sie die Erde erreichen. Wer auf staubtrockene Erde mulcht, packt also vor allem die Trockenheit gut ein. Darum kommt die Decke erst dann aufs Beet, wenn der Boden darunter feucht ist.
Trockene Erde in Etappen giessen. Ist der Boden richtig ausgetrocknet, perlt das Wasser zuerst ab (siehe oben beim wasserabweisenden Humus). Eine erste kleine Wassergabe macht die Oberfläche wieder benetzbar, und die zweite, grössere Gabe kann dann einsickern, statt davonzulaufen. Ein Giessrand oder eine flache Mulde rund um Sträucher und Bäume hält das Wasser zusätzlich dort, wo es hin soll. Am allerbesten ist natürlich ein langer, sanfter Landregen, und der erste trockene Tag danach eignet sich perfekt zum Mulchen.
Feines Material dünn, grobes Material dicker. Unter einer zu dicken Schicht aus feinem, frischem Material fehlt dem Boden die Luft, und es fängt an zu faulen. Eine dünne Schicht, die bei Bedarf ergänzt wird, bringt darum mehr als ein dicker Berg auf einmal.
Die Spatenprobe
Ob der Regen oder das Giesswasser wirklich angekommen ist, verrät ein Spatenstich. Man sticht den Spaten 20 bis 30 cm tief ein, hebelt einen Erdblock heraus und schaut sich die Schnittfläche an. Ist die Erde dunkel und krümelig, ist sie feucht. Ist sie hell und staubig, herrscht da unten noch Sommer. Danach kommt der Erdblock einfach wieder zurück ins Loch.
In der Wetterprognose wird Regen in Millimetern angegeben, und ein Millimeter entspricht einem Liter Wasser pro Quadratmeter. Wie tief dieser Liter in den Boden kommt, hängt von der Bodenart ab. Ein Lehmboden speichert pro Zentimeter deutlich mehr Wasser als ein Sandboden und braucht entsprechend mehr, bis er auch in der Tiefe feucht ist. Die Tabelle zeigt eine grobe Rechnung für einen Boden, der bis zum Welkepunkt ausgetrocknet ist (also so trocken, dass die Pflanzen kein Wasser mehr herausholen können).
| Bodenart | Wasserspeicher pro m² und 10 cm Tiefe | 10 mm Regen durchfeuchten etwa | Für 30 cm Tiefe braucht es etwa |
|---|---|---|---|
| Sandboden | 9–11 Liter | 10 cm | 30 mm Regen |
| Lehmboden | 12–19 Liter | 5–8 cm | 35–60 mm Regen |
| Schluffboden (Löss) | 19–28 Liter | 4–5 cm | 55–85 mm Regen |
Die Werte beruhen auf der nutzbaren Feldkapazität (so nennt die Bodenkunde das Wasser, das ein Boden für die Pflanzen speichern kann) nach der deutschen bodenkundlichen Kartieranleitung und sind ein Richtwert. Wasser, das oberflächlich abfliesst, kommt erst gar nicht unten an. Ein kräftiges Sommergewitter mit 15 mm reicht im Lehmboden also gerade für die oberste Handbreit.
Rund ums Mulchen halten sich ein paar hartnäckige Gerüchte. Einige haben einen wahren Kern, andere darf man getrost auf den Kompost werfen.
«Holzmulch klaut den Pflanzen den Stickstoff.» Halb wahr. Holz enthält viel Kohlenstoff, aber kaum Stickstoff. Die Mikroorganismen, die es abbauen, brauchen für ihre Arbeit aber auch Stickstoff und holen ihn sich aus der Umgebung. Liegt der Häcksel obenauf, passiert das nur in der dünnen Kontaktzone zwischen Mulch und Erde. Das bremst vor allem keimende Unkrautsamen, während die Wurzeln der Sträucher weiter unten kaum etwas davon merken, wie eine Übersicht der Washington State University zeigt. Zum Problem wird es erst, wenn Holz in die Erde eingearbeitet wird. Holz wird darum immer aufgelegt und nie untergemischt.
«Rindenmulch macht den Boden sauer.» Kaum. Rindenmulch aus Nadelbäumen wird häufig mit Bodenversauerung in Verbindung gebracht. Als Mulchschicht obenauf verändert er den pH-Wert des Bodens darunter jedoch meist nur wenig. Laut Washington State University schwankt der pH-Wert höchstens vorübergehend in der verrottenden Schicht selbst. Besser belegt ist ein anderes Problem, nämlich das Einarbeiten. Wird Rinde in die Erde gemischt, kann beim Abbau vorübergehend Stickstoff gebunden werden, der dann den Pflanzen fehlt. Das ist aber nicht dasselbe wie eine Übersäuerung. Unter Ziergehölzen und auf Wegen macht sich Rinde gut, im Gemüsebeet hat sie wegen ihrer Gerbstoffe trotzdem nichts verloren. Beim Kauf lohnt sich geprüfte Qualität, denn ÖKO-TEST fand 2012 in einzelnen Produkten erhöhte Cadmiumwerte. Wer eine Alternative sucht, die auch ins Gemüsebeet darf, findet sie im Mulch-Mix Biogarten aus Hanf und Schilf aus Schweizer Anbau. Er ist pH-neutral, wirkt nicht versauernd und steht auf der Betriebsmittelliste des FiBL.
«Walnusslaub vergiftet den Boden.» Teilweise. Walnussbäume bilden Juglon, einen Stoff, der andere Pflanzen im Wachstum hemmt. Am meisten davon steckt in den Wurzeln, weniger im Laub, und die bei uns verbreitete Echte Walnuss bildet deutlich weniger als die amerikanische Schwarznuss. Empfindlich reagieren zum Beispiel Tomaten und Kartoffeln. Vollständig kompostiertes Walnusslaub gilt als unbedenklich, frisch gehört es darum besser auf den Komposthaufen als aufs Gemüsebeet.
«Je dicker, desto besser.» Leider nein. Dicke Schichten vertragen nur grobe, holzige Materialien wie Häcksel, feines Material fängt darunter an zu faulen (mehr dazu beim Mulchmaterial).
So praktisch Mulch ist, es gibt ein paar Ecken im Garten, in denen eine Decke mehr schadet als nützt, und ein paar Gartenbewohner, die es ohne lieber haben.
Wildbienen brauchen offenen Boden. Rund zwei Drittel aller Wildbienenarten nisten im Boden. Sie graben ihre Brutröhren an sonnigen, kaum bewachsenen Stellen, und eine geschlossene Mulchschicht ist für sie wie eine verriegelte Haustüre. Gerade diese bodennistenden Arten haben es in der Schweiz schwer, laut der Roten Liste von 2024 gilt mehr als die Hälfte von ihnen als gefährdet (bei den oberirdisch nistenden ist es knapp ein Drittel). Ein paar sonnige, offene Quadratmeter am Wegrand, an einer Böschung oder in einer sandigen Ecke sind darum wertvolles «Bauland» für Wildbienen.
Obstbäume in Mausgebieten. Wo Schermäuse oder Wühlmäuse zu Hause sind, bleibt die Baumscheibe im Winter besser frei. Unter einer dicken Decke fühlen sich die Nager geschützt und können ungestört an Wurzeln und Stammfuss knabbern.
Frühblühendes Obst und Spätfrost. Was im Winter schützt, kann im Frühling zum Problem werden. Nackter, feuchter Boden nimmt tagsüber Sonnenwärme auf und gibt sie in klaren Frühlingsnächten wieder ab, laut den Obstfachstellen und Agroscope macht das 1 bis 2 °C aus. Eine Mulchschicht verhindert, dass sich der Boden tagsüber aufwärmt, und hält die Wärme nachts von den Blüten fern. Unter Aprikosen, Pfirsichen und anderen Frühblühern kommt der Mulch darum vor der Blüte zur Seite.
Gemüsebeete im Frühling. Ein gemulchtes Beet erwärmt sich im Frühling langsamer. Für frühe Aussaaten wird der Mulch zur Seite gerecht und darf zurück, sobald die Saat aufgelaufen ist und der Boden Wärme getankt hat.
Schneckengärten. Eine dauerhaft feuchte, weiche Bodendecke ist leider auch bei Schnecken sehr beliebt. Auf Mulch verzichten muss im Gemüsegarten deswegen aber niemand. Grobes, kratziges Material, dessen Oberfläche schnell abtrocknet, ist für Schnecken deutlich weniger einladend, und junge Salate und Setzlinge schützt ein SchneckenStopp in ihrer empfindlichsten Phase. Der SchneckenStopp ist übrigens auch eine praktische Giesshilfe. Wie in einem Giessring landet das Wasser direkt bei der Pflanze, statt seitlich wegzulaufen.
Igel & Co. freuen sich dagegen. Ein Laubhaufen in einer ruhigen Ecke, gerne mit ein paar Ästen darunter, ist für Igel ein Winterquartier mit Vollpension. Mehr dazu auf der Seite «Igel im Garten».
Nach einem heissen, trockenen Sommer geht es vielen Gartenböden ungefähr so wie uns nach einer langen Wanderung ohne Wasserflasche. Wie heftig das werden kann, hat der Sommer 2026 gezeigt (die Zahlen dazu stehen gleich unten im Kasten). Kommen im Herbst die ersten Regentage, sehen die Beete zwar schnell wieder frisch aus, ein paar Handbreit tiefer ist es aber oft noch staubtrocken, denn ein paar Schauer füllen einen leeren Speicher nicht auf.
Der Herbst ist darum der ideale Moment, um zuerst gründlich zu wässern, dann zu mulchen und den Garten mit möglichst vollen Reserven in den Winter zu schicken. Bei den angenehmen Temperaturen macht die Gartenarbeit ja auch wieder Freude ;-)
Stickstoff kann warten. Wird ausgetrockneter Boden wieder nass, erwachen die Mikroorganismen schlagartig und legen los. Bei diesem kurzen Aktivitätsschub (die Fachwelt nennt ihn Birch-Effekt) wird unter anderem Stickstoff frei. Ein Stickstoffdünger obendrauf würde im Herbst vor allem den Winterregen düngen, der die Nährstoffe dann ins Grundwasser wäscht.
Die Giesskanne im Herbst wieder hervorzuholen, fühlt sich im ersten Moment etwas verkehrt an. Nach einem so trockenen Sommer ist es für einige Gartenbewohner aber genau das Richtige.
Immergrüne verdunsten weiter. Laubabwerfende Gehölze schalten im Herbst auf Winterruhe. Immergrüne behalten ihre Blätter und verlieren auch im Winter Wasser, vor allem an sonnigen und windigen Tagen. Bei gefrorenem Boden droht darum Frosttrocknis (siehe oben bei Frost und Winter), und viele Winterschäden an Eiben, Buchs, Rhododendren oder Nadelgehölzen gehen eher auf dieses Konto als auf die Kälte selbst. Es ist empfehlenswert, Immergrüne um Mitte Oktober noch einmal gründlich zu wässern, mit etwa 30 bis 40 Litern pro Quadratmeter Pflanzfläche. Nach einem trockenen Sommer ist der Wurzelraum vieler Hecken bis in die Tiefe ausgetrocknet, und ob das Wasser angekommen ist, zeigt die Spatenprobe.
Herbstpflanzungen brauchen Starthilfe. Frisch gesetzte Sträucher, Stauden und Bäume haben noch keine Wurzeln, die in die Tiefe reichen. Gründliches Angiessen sorgt dafür, dass sich die Erde gut um die Wurzeln legt, und in trockenen Herbstwochen brauchen sie Nachschub. Wie das Pflanzen im Herbst gelingt, steht in der Beratung zur Herbstpflanzung.
Junge Bäume mögen es selten, aber viel. In den ersten Standjahren und in Trockenphasen brauchen Bäume Unterstützung. Grosse Wassergaben, die tief einsickern, locken die Wurzeln in die Tiefe. Tägliches Spritzen hält sie dagegen bequem an der Oberfläche, und genau dort ist es im nächsten Sommer zuerst wieder trocken. Bewässerungssäcke werden vor dem Winter abgenommen, so macht es zum Beispiel auch die Stadt Basel bei ihren Jungbäumen.
Kübelpflanzen nicht vergessen. Im Topf ist der Wasservorrat klein, und Wind und Wintersonne trocknen den Wurzelballen schnell aus. Kübel bekommen darum an frostfreien Tagen Wasser, aber nie so viel, dass es im Topf steht. Wie man sie gut einpackt, steht auf der Seite «Winterhärtezonen und Winterschutz».
Und wann ist Schluss? Gegossen wird, solange der Boden nicht gefroren ist. Auch mitten im Winter freuen sich Immergrüne und Kübel an milden, trockenen Tagen über einen Schluck.
| Pflanzen | Warum im Herbst | Wie giessen | Bis wann |
|---|---|---|---|
| Immergrüne Gehölze (Eibe, Buchs, Rhododendron, Stechpalme, Nadelgehölze) | Sie verdunsten auch im Winter, Gefahr der Frosttrocknis | Um Mitte Oktober 30–40 l/m² Pflanzfläche, danach bei Trockenheit nachgiessen | Solange der Boden offen ist, im Winter an milden Tagen |
| Herbstpflanzungen | Die Wurzeln reichen noch nicht in die Tiefe | Gründlich angiessen, dann feucht halten | Bis zum ersten Bodenfrost |
| Junge Bäume, erste Standjahre | Nach der Dürre ist der Wurzelraum leer | Selten, aber grosse Mengen, die tief einsickern | Bis zum Bodenfrost, Säcke vor dem Winter abnehmen |
| Kübel im Freien | Kleiner Vorrat, Wind und Sonne trocknen aus | Ballen nie ganz austrocknen lassen, Staunässe vermeiden | Den ganzen Winter an frostfreien Tagen |
| Eingewachsene Sträucher und Stauden | Der Speicher ist nach dem Sommer leer | Ein gründlicher Durchgang vor dem Mulchen | Danach bei anhaltender Trockenheit nachgiessen |
Nadine hat diesen Sommer in ihren neu angelegten Beeten ein paar 8-Liter-Ollas eingegraben und rundherum mit gehäckseltem Lindenholzschnitt gemulcht. Die Tongefässe geben ihr Wasser langsam durch die poröse Wand an die Wurzeln ab, und die Häcksel sorgen dafür, dass es nicht gleich wieder verdunstet.
Und im Winter? Ton ist porös, und genau über diese feinen Poren gibt die Olla ihr Wasser an die Wurzeln ab. Gefriert Wasser in den Poren, dehnt es sich aus und kann den Ton beschädigen. Ab dem Spätherbst werden die Ollas darum nicht mehr nachgefüllt und dürfen austrocknen, soweit das im Boden eben möglich ist. Der Deckel bleibt drauf, damit kein Regen hineinläuft, und eine grosszügige Mulchschicht obendrauf dämpft den Frost. Wer in einer Gegend gärtnert, in der der Boden im Winter durchfriert, gräbt die Ollas besser vorsorglich aus und lagert sie trocken.
Und der Lindenholzschnitt? Frisch gehäckselte Zweige von Laubbäumen sind ein guter Mulch und wurden in Frankreich unter dem schönen Namen «Bois Raméal Fragmenté» untersucht. Bodenpilze besiedeln das Material rasch und bauen es nach und nach ab. Wie jedes Holz wird es nur auf den Boden gelegt und nicht eingearbeitet.
Im Winter füllen Böden und Grundwasser ihre Vorräte wieder auf. Was im Garten versickert, statt in der Kanalisation zu verschwinden, steht den Pflanzen im nächsten Sommer als Reserve zur Verfügung.
Ein kleines Rechenbeispiel. Ein Millimeter Regen bringt einen Liter pro Quadratmeter. Ein Hausdach mit 50 m² liefert bei 30 mm Regen also rechnerisch 1500 Liter.
Die Regentonne im Winter. Offene Tonnen vertragen leichten Frost. Bei Dauerfrost kann die Eisschicht aber wie ein Pfropfen wirken und die Tonne sprengen. Am sichersten ist es, sie vor dem Frost zu leeren und den Zulauf vom Fallrohr zu schliessen. Das Wasser kommt dann gleich noch einem durstigen Strauch zugute.
Versickern lassen. Eine flache Mulde im Garten (30 bis 50 cm tief und mindestens 5 m vom Haus entfernt) fängt Dachwasser auf und lässt es langsam im Boden versickern. Zum Grundwasser braucht es mindestens einen Meter Abstand. Ob ein Fallrohr umgeleitet werden darf, weiss die Gemeinde.
Und die Mücken? Eine offene Regentonne ist im Sommer leider auch eine beliebte Kinderstube für Mücken, inzwischen vielerorts auch für die invasive Asiatische Tigermücke. Sie legt ihre Eier knapp über dem Wasserspiegel in kleine, eher schattige Wasseransammlungen, und Regentonnen gehören ganz klar dazu (genauso wie Untersetzer, Kessel oder verstopfte Dachrinnen).
Am einfachsten ist ein Deckel oder ein Mückennetz auf der Tonne, und Kessel und Kannen werden nach dem Gebrauch umgedreht. Wo das nicht geht, hilft während der Mückensaison (etwa April/Mai bis Oktober) Mollex TigermückenStopp. Das darin enthaltene Bakterium (Bti) wirkt gezielt gegen Mückenlarven und schont Vögel, Fische, Amphibien und Pflanzen.
Für grössere Regentonnen, die über den Sommer nie ganz geleert werden, eignet sich CopEx. Die einheimischen Ruderfusskrebse fressen junge Mückenlarven und vermehren sich in der Tonne selber, darum reichen in der Regel zwei Anwendungen pro Saison. Zusammen mit Mollex werden alle Larvenstadien erfasst. Mehr dazu steht in der Beratung zur Tigermücke.
Nach dem Hitzesommer ist vor dem Hitzesommer, und vorsorgen ist allemal gemütlicher als nachsorgen. Am meisten bewirkt man für den nächsten Sommer schon im Herbst, denn was der Boden über den Winter an Humus, Struktur und Wasser aufbaut, steht ihm im Sommer zur Verfügung.
Was wann ansteht, auf einen Blick. Die Monate sind Richtwerte, in höheren Lagen verschiebt sich alles um ein paar Wochen.
| Wann | Was | Warum |
|---|---|---|
| März | Mulch unter frühblühendem Obst vor der Blüte zur Seite rechen; Gemüsebeete für frühe Aussaaten freilegen; Laub- und Asthaufen liegen lassen | Offener Boden gibt in Frostnächten Wärme ab; Tiere im Winterquartier nicht vor dem letzten Spätfrost wecken |
| April und Mai | Kompost dünn verteilen (höchstens 3 l/m²); Ollas wieder füllen, sobald kein Frost mehr droht; mulchen, wenn der Boden warm ist und die Saat aufgelaufen ist | Frühe Kulturen wachsen auf erwärmter Erde besser an |
| Juni bis August | Mulch dünn nachlegen, Rasenschnitt nur dünn; vor dem Giessen die Fingerprobe (mit dem Finger ein paar Zentimeter tief in die Erde fahren und fühlen, ob sie feucht ist); ab August freie Beete mit Gründüngung einsäen | Die Decke wird in der Wärme rasch abgebaut; die Gründüngung braucht Zeit, bis der Winter kommt |
| September | Letzte Gründüngungen säen (Phacelia bis Anfang, Zottelwicke bis Mitte September); keinen Stickstoffdünger mehr | Spätere Saaten entwickeln sich kaum noch; Stickstoff würde über den Winter ausgewaschen |
| Oktober | Spatenprobe machen; Ollas nicht mehr nachfüllen; Immergrüne um Mitte Oktober mit 30–40 l/m² wässern; Laub zusammenrechen und nach dem Durchfeuchten mulchen; Herbstpflanzungen gründlich angiessen | Der Boden ist noch offen, und das Wasser kommt dort an, wo es gebraucht wird |
| November | Leere Ollas mit Deckel verschliessen und zumulchen, wo der Boden durchfriert, ausgraben; Regentonne vor Dauerfrost leeren; Bewässerungssäcke abnehmen; Laubhaufen für Igel anlegen; Baumscheiben in Mausgebieten frei lassen | Gefrierendes Wasser kann Ton und Tonnen sprengen; Igel suchen jetzt ihr Winterquartier |
| Dezember bis Februar | An milden, trockenen Tagen Immergrüne und Kübel giessen; verwehten Mulch nachlegen; Laub- und Asthaufen in Ruhe lassen | Schutz vor Frosttrocknis; Tiere im Winterschlaf nicht stören |
Die wichtigsten Quellen, Stand Oktober 2026
Nadine findet, dass ein Beet ohne Decke ungefähr so gemütlich ist wie ein Bett ohne Duvet. Darum bleibt bei ihr kein Fleck lange nackt, und im Herbst wandert das Laub aus dem ganzen Garten auf die Beete. Diesen Sommer hat sie in ihren neuen Beeten Ollas verbuddelt und mit Lindenholzschnitt gemulcht, und jetzt wartet sie gespannt, wie die Boden-WG darunter durch den Winter kommt.