Wenn die Anzeige des Thermometers in die Höhe schnellt, geht es dem Sommer entgegen. Spätestens im Hochsommer mit seinen Hitzetagen leiden Mensch, Tier und Pflanze. Natürlich gibt es auch Sonnenanbeter, welche von der gleissenden Hitze nicht genug kriegen können – für andere ist die Hitze existenzbedrohend.
Die warmen Tage bleiben länger, die Nächte werden tropisch, und nach Wochen voller Sonnenschein sorgt ein heftiger Regenschauer oder ein Hagelgewitter für Abkühlung – manchmal mit überraschender Kraft. Der Sommer ist intensiver geworden, launischer und fordernder. Unsere Gärten kommen am besten mit, wenn wir sie darauf einstellen – widerstandsfähiger, vielfältiger und gut gewappnet für das, was kommt.
Mit ein paar Tricks und Kniffen kann man im Garten dafür sorgen, dass die hohen Temperaturen nicht ganz so quälend sind und damit das eine oder andere Leben retten. Was sich wiederum positiv auf den Fortbestand von Sorten und Arten auswirkt.
Folgende Punkte werden zum Thema Hochsommer auf dieser Seite behandelt:
Diesen Satz hört man im Sommer oft, meistens mit einem Seufzer und einem Blick auf den Rasen. Und ausnahmsweise hat die Erinnerung recht. MeteoSchweiz und die ETH Zürich haben im November 2025 die neuen Klimaszenarien CH2025 vorgelegt – die offizielle Grundlage des Bundes. Drei Zahlen daraus, die man als Gärtner:in kennen darf:
Anschaulich ist das Beispiel Luzern: Bis Anfang der 1980er-Jahre gab es dort höchstens zehn Hitzetage pro Jahr. Heute entspricht das etwa dem Durchschnitt – und seit 1981 gab es kein einziges Jahr mehr ganz ohne Hitzetag.
Das klingt erst mal nach einer Schreckensmeldung, ist aber vor allem eine Planungshilfe. Wer weiss, wohin die Reise geht, kann den Garten in Ruhe darauf einrichten. Beet für Beet, Topf für Topf – und ohne Panik.
Quelle: MeteoSchweiz & ETH Zürich, Schweizer Klimaszenarien CH2025 (November 2025) → meteoschweiz.admin.ch
Viel Sonne, Hitze und laue Tropennächte können dem Garten zusetzen. Die Schäden werden langsam deutlich sichtbar und das Wasser muss immer sparsamer eingeteilt werden, obwohl der Garten und seine Bewohner unter Wassermangel leiden. Das lässt sich nicht vollends vermeiden – aber lindern. Mit einer geschickten Pflanzenselektion, durchdachter Standortwahl, gedeckten Böden und nachhaltigem Giessen kann der Garten einen Hitzesommer ohne Totalschaden überstehen.
Bei Balkonen und Terrassen wird es etwas schwieriger, wenn die Sonne gnadenlos vom Himmel brennt und die Fassaden die Hitze in sich aufsaugen und an die Töpfe und Kübel abstrahlen – aber auch da gibt es bessere Lösungen als die Kapitulation ;-)
Ganz klar – wo viele und grosse Steine liegen, wird Hitze eingefangen, gespeichert und auch in die nahe Umgebung abgestrahlt. Auch Hausmauern, Grundstückbegrenzungen, Steinplattenwege und -plätze entwickeln sich an sonnigen Tagen zu kleinen, ausdauernden Outdoor-Öfen. Eidechsen finden das spitze – Regenwürmer werden den wohl weit entferntesten und «ofenfreien» Teil im Garten aufsuchen. Hier hilft nur eines: Hitzeresistente Pflanzen, welche Spezialisten für Stein- und Präriegärten sind.
Feuchte Zonen rund um den Gartenteich entwickeln sich zum Mekka für Mücken, Libellen, Frösche und den entsprechenden tagaktiven Insektenfressern. Die Algen im Teich können sich jetzt rasant vermehren und der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt rapide. Mit einer gezielten Bepflanzung im und um den Teich kann man dem Mikrokosmos «Gartenteich» helfen, dass die Algen nicht die Teichherrschaft übernehmen.
Falls Fische im Teich leben, kann mit einer solarbetriebenen Pumpe und einem kleinen Springbrunnen die Umwälzung und der Nachschub an Sauerstoff sichergestellt werden. Natürlich nutzen Stechmücken das kühle Nass im Garten zur Eiablage. Eine Pumpe, die Bewegung ins Wasser und vor allem an die Oberfläche bringt, wird das Ausmass in Grenzen halten, da eine unruhige Wasseroberfläche die Stechmücken an der Eiablage hindert. Die entsprechenden Futterfeinde (Molche, Frösche, Kröten, evtl. Fische, Libellen, Schwimmkäfer, Wasserkäfer) sorgen für den Rest und besuchen den Teich regelmässig, wenn es ihnen gefällt.
Schattige Flecken im Garten sind jetzt besonders beliebt. Sie dienen durch den Tag als Ruhe- und Rückzugsbereiche für die wilden Gartenbewohner, welche nicht zu den Sonnenanbetern gehören, bevor die Tiere im Schutz der Nacht auf Nahrungssuche gehen. Daher sollte es im Garten nach Möglichkeit ungestörte Schattenzonen geben – sonst suchen sich zum Beispiel die Igel eine neue Bleibe und die Schnecken haben wieder freie Bahn auf den knackigen Salat.
Nutzt das Potential von Halbschatten und Schatten aber auch für euch! Im Halbschatten lassen sich zahlreiche Gemüse, Kräuter, Beeren und Blumen erfolgreich anpflanzen. Das wird selten berücksichtigt. Man kann im Halbschatten wahre Beerenparadiese gestalten, gespickt mit leckeren Kräutern und Gemüse. Ein Naschgarten im Schatten hat was und benötigt weniger Wasser und Schweiss bei der Pflege ;-) Stachelbeeren zum Beispiel gedeihen im Halbschatten richtig gut.
Schöne, grosse Bäume spenden wunderbare Schattenplätze, aber sie sind belaubt im Sommer auch ein sehr gutes Regendach. Somit sollte man nicht vergessen, dass auch Pflanzen im Schatten und Halbschatten ausreichend Wasser kriegen, wenn die Tage sehr heiss und trocken sind. Durch das Laub eines grossen Baumes dringt kaum Wasser bis zum Boden und wenn doch, meistens nicht genug. Wer in solchen Zonen Pflanzen ins Freiland zu den Bäumen setzen möchte, sollte sich im Vorfeld erkundigen, ob der Baum ein paar angeknackste Wurzeln sehr übel nimmt (da gibt es von der Mimosa bis zum schier unverwüstlichen Modell alles) und ob die Pflanzen, die zum Baum dazukommen sollen, mit dem Wurzeldruck klarkommen.
Gut zu wissen: Am heissesten ist es nicht über Mittag – da ist vor allem die UV-Strahlung heftig –, sondern nachmittags zwischen 16 und 18 Uhr. Am kühlsten ist es kurz nach Sonnenaufgang. Wer sich fragt, warum alle vom Giessen am frühen Morgen schwärmen: genau darum.
Jede Pflanze hat nicht nur Ansprüche an den Standort bezüglich Sonne und einen individuellen Wasserbedarf – auch der Boden spielt eine wichtige Rolle für erfolgreiches Anwachsen und die Entwicklung. Sei es nun bezüglich der Krümelstruktur, den im Boden lebenden Organismen oder auch die im Boden vorhandenen Mineralstoffe und Spurenelemente – der Boden ist ein wichtiger Wasserspeicher und Nährstofflieferant für die Pflanzen. Bei einer idealen Bodenstruktur – sei es im Freiland oder im Topf – können die Wurzeln sich ihre Wege bahnen, um Wasser und Nährstoffe aufzunehmen.
Mulchen allein schützt in erster Linie vor dem Austrocknen der Oberfläche, Erosionen und Verschlämmung. Mit Pflanzenjauchen, Kompost, organischem Dünger, Zugabe von Sand, Kalk oder Gesteinsmehl oder Gründüngung kann man den Boden aufwerten und fit machen für ein gutes, stabiles und hitzetolerantes Bodenklima.
Auch bei Topfpflanzen sollte man bei der Qualität der Erde keinesfalls sparen und Rücksicht auf die Ansprüche der Pflanze nehmen. Bei Bedarf mit Drainagen arbeiten oder die Erde ebenfalls zusätzlich mit Sand oder anderen Zutaten anreichern. Die Mischung macht's!
Biogartentipp CarboVit – aktivierte Pflanzenkohle. Sie arbeitet im Boden wie ein Schwamm und hält das Wasser dort, wo die Wurzeln es abholen können. Der beste Hitzeschutz wird ohnehin nicht im Juli gemacht, sondern im Herbst davor in den Boden eingearbeitet.
Es gibt zahlreiche hitzeresistente Pflanzen – auch ohne Kakteen ;-) In der wärmsten Jahreszeit ist es weniger gut, neue Pflanzen zu setzen. Für erfahrene Gärtner:innen ist das nachvollziehbar – aber für hochmotivierte Neugärtner:innen ist die Verlockung in den Gartencentern eine Dauerversuchung – egal wie das Wetter tut.
Am besten man pflanzt neue Gartenperlen im Frühling oder im Herbst. So haben die Pflanzen Zeit sich stressfrei an den neuen Standort zu gewöhnen und anzuwurzeln. Wenn es im Sommer «sein muss», dann wählt man für die Pflanzung am besten den Beginn von ein paar bewölkten Tagen. Für die Pflanzung sollte man darauf achten, dass diese bereits gut gewurzelt sind – auf keinen Fall nacktwurzlige Pflanzen im Sommer setzen.
Bei der Pflanzenwahl sollte man auf die Standortansprüche und den Wasserbedarf achten. Am besten sind einheimische Pflanzen, denn diese kennen das vorhandene Klima bereits und sind die Kirsche auf der Sahne für naturnahe Gärten, mit dem Ziel etwas für die heimische Biodiversität zu machen.
Sämtliche heimische Gartenbewohner kennen sich in der lokalen Flora bestens aus und haben sich auf diese spezialisiert. Ein Beispiel für eine schlechte Wahl wäre eine Forsythie. Die aus Asien stammende Pflanze verträgt keine pralle Sonne, braucht viel Wasser und sie kann noch so schön blühen – für unsere heimischen Bienen und andere Insekten ist das Gewächs eine «Nullnummer».
Wer sich diese Merkmale einmal gemerkt hat, braucht im Gartencenter keine Liste mehr. Silbrig, klein, behaart, ledrig. Hinter jedem dieser Merkmale steckt dieselbe Idee: möglichst wenig Wasser verdunsten. Die Pflanze verrät einem also selber, was sie aushält. Man muss nur hinschauen.
Genauso wie Menschen mit Sonnenbrand nach zu viel Sonne auf nackter Haut reagieren, tun das die Pflanzen auch. Daher sollte man zum Beispiel die liebevoll durch Saat gezogenen Pflanzen, langsam an die Sonne gewöhnen. Wenn diese nach den Eisheiligen raus dürfen – oder davor untertags an milden Tagen – sollte man diese erst im Halbschatten an die Licht- und Temperaturänderungen gewöhnen. Auch wenn diese auf der Fensterbank vielleicht bereits viel Sonne abgekriegt haben – das Fensterglas kann zum Beispiel das UV-Licht filtern und schon sind es nicht dieselben Bedingungen. Auch hier gilt, dass das Auspflanzen am besten ist, wenn das Wetter 2–3 Tage bewölkt ist.
Passiert es doch und die Pflanze leidet an Sonnenbrand, dann bringt sie möglichst schnell an einen Schattenplatz, gut wässern und der Pflanze Zeit lassen, sich zu erholen. Die Blätter, die sich nicht mehr erholen werden, entfernen, damit die Pflanze nicht unnötig Kraft und Energie in diese investiert, sondern sich auf den «gesunden» Teil konzentrieren kann.
Diese Frage taucht im Hochsommer regelmässig auf, und die Antwort ist zugegeben ein bisschen unromantisch: Eine Creme mit Lichtschutzfaktor, die man den Pflanzen aufs Blatt schmiert, gibt es im Biogarten nicht. Der wirksamste Sonnenschutz bleibt schlicht Schatten – ein Vlies, ein Sonnensegel, ein Schattiernetz oder eine grosse Pflanze, die ihre empfindlicheren Nachbarn in den Halbschatten stellt.
Was man aber sehr wohl tun kann: die Pflanze von innen stärken, damit sie den Stress besser wegsteckt. Da kommt der Meeresalgenextrakt ins Spiel.
Biogartentipp AlgoFol – ein flüssiger Blattdünger aus der Braunalge Ascophyllum nodosum. Er bringt Polysaccharide, Alginsäure, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in gut pflanzenverfügbarer Form ans Blatt, stärkt die Pflanze und steigert ihre Widerstandskraft. Dosierung: 10 ml pro Liter Wasser, alle 14 Tage während der Vegetationszeit, bis zur Tropfnässe sprühen. Aufgeführt auf der Betriebsmittelliste des FiBL. Kein Sonnenschutz zum Auftragen also, eher ein Aufbau-Drink für strapaziertes Blattwerk – genau dann, wenn die Pflanze sowieso am Anschlag läuft.
Anwendung: niemals in die pralle Sonne sprühen. Die Tropfen auf dem Blatt wirken sonst wie kleine Brenngläser – und dann hat man das Gegenteil von dem erreicht, was man wollte. Morgens, abends oder an bedeckten Tagen, dann passt es.
Im Hochsommer beginnt am Tomatenstock das grosse Rätselraten. Ein heller Fleck hier, eine schwarze Delle da, und schon macht sich ein ungutes Gefühl breit: Pilz? Seuche? Muss jetzt alles raus?
Meistens nicht. Betroffen ist vor allem das Fruchtgemüse – also alles, was Früchte an der Pflanze reifen lässt: Tomaten, Peperoni, Auberginen, Zucchini. Und die häufigsten Schadbilder dort sind gar keine Krankheiten, sondern physiologische Störungen. Übersetzt heisst das: Die Pflanze hat Stress. Stress kann man abstellen, einen Pilz nicht so einfach. Das ist doch schon mal eine ganz gute Nachricht.
Zum Auseinanderhalten braucht es weder Lupe noch Labor, sondern nur eine einzige Frage: Wo genau sitzt der Fleck?
| Das sieht man | Das steckt dahinter | Das hilft |
|---|---|---|
| Helle, eingesunkene Stellen, die aussehen wie «angebacken» – und zwar immer auf der Sonnenseite der Frucht (Tomate, Peperoni, Aubergine) | Sonnenbrand. Die Frucht verdunstet kaum Wasser und kann sich darum nicht selber kühlen. Die oberste Zellschicht trocknet aus, das Gewebe darunter stirbt ab. | Über Mittag schattieren, mit Vlies, Tuch oder Schattiernetz. Und: nicht zu radikal entlauben. Die Blätter sind der eingebaute Sonnenschirm der Frucht. |
| Eine braunschwarze, eingesunkene, hart werdende Stelle am unteren Ende der Frucht, also gegenüber vom Stiel (Tomate, Peperoni, Zucchini) | Blütenendfäule. Kein Pilz, sondern Kalziummangel in der Frucht. Und zwar meistens nicht, weil im Boden zu wenig davon wäre, sondern weil das Kalzium bei schwankender Wasserversorgung gar nicht erst in der Frucht ankommt. | Gleichmässig giessen ist hier die eigentliche Medizin. Mulchen, Oyas, kein Wechselbad zwischen Dürre und Schwemme. Befallene Früchte abnehmen. |
| Ein gelber oder grüner «Kragen» rund um den Stielansatz | Zu viel Sonne. Sozusagen der Tomaten-Sonnenbrand in der milden Variante. | Mittags schattieren. Essbar bleibt die Frucht trotzdem – man schneidet den Kragen einfach weg. |
| Graubraune bis silbrigweisse, eingetrocknete Flecken auf jungen Blättern, kurz nach dem Rausstellen | Blattsonnenbrand. Die Jungpflanze kannte das ungefilterte UV-Licht schlicht noch nicht. | Schattieren, wässern, Geduld haben. Der neue Austrieb kommt meist gesund nach. Was hin ist, entfernen. |
Bei der Blütenendfäule lohnt es sich, den Mechanismus dahinter zu kennen, denn dann wird auch klar, warum Kalk-Notfallgaben ins Beet meistens nichts bringen. Es ist im Grunde ein Transportproblem: Das Kalzium wäre da, die Pflanze bringt es bloss nicht dorthin, wo es gebraucht wird. Transportiert wird es nämlich mit dem Wasserstrom – und wenn dieser Strom ständig zwischen Dürre und Schwemme schwankt, kommt in der Frucht schlicht zu wenig an. Wer gleichmässig giesst und den Boden mit einer Mulchschicht vor dem Austrocknen schützt, löst das Problem also tatsächlich an der Wurzel. Wortwörtlich.
Und dann wäre da noch das Entlauben. Das Ausgeizen und Entblättern hat durchaus seine Berechtigung: Es sorgt für Luft im Bestand, die Blätter trocknen nach dem Regen schneller ab, und die Kraut- und Braunfäule hat es schwerer. Wer damit arbeitet, macht also grundsätzlich alles richtig. In einem Hitzesommer verschiebt sich allerdings die Rechnung ein wenig. Bei 35 Grad und Prallsonne sind die Blätter über den Fruchtständen der einzige Schatten, den die Frucht hat – und ohne diesen Schirm bekommt sie den Sonnenbrand. Es lohnt sich also, in solchen Wochen etwas grosszügiger mit dem Laub zu sein und vor allem oberhalb der Früchte ein paar Blätter stehen zu lassen. Unten ausgeizen, oben beschatten – damit fährt man in heissen Sommern meistens am besten.
Wenn der grüne Teppich im Juli strohgelb wird, bricht bei vielen der blanke Aktionismus aus: giessen, düngen, vertikutieren, nachsäen, am besten alles gleichzeitig. Besser wäre: erst mal einen Tee trinken und in Ruhe hinschauen.
Denn was da passiert, ist selten ein Todesfall, sondern eine ziemlich clevere Strategie. Die Gräser gehen in die Hitze-Dormanz, eine Art Sommerschlaf. Sie fahren den Stoffwechsel herunter, ziehen ihre Reservestoffe aus den Halmen zurück in die Wurzeln und warten ab. Kommt der Regen, treiben sie wieder aus. Gräser stammen ursprünglich aus sommertrockenen Steppen – die kennen das Spiel schon länger als wir.
Mit dem Spaten ein kleines Stück Rasen 10 bis 15 cm tief ausstechen und die Wurzeln anschauen. Sind nur die Halme braun, die Wurzeln aber hell und intakt, kommt der Rasen zurück – man muss ihm nur Zeit lassen. Sind auch die Wurzeln vertrocknet und mürbe, hilft nur noch Nachsaat. Die gelingt allerdings im Frühling oder Frühherbst um Welten besser als mitten im Hitzesommer.
Wer wissen will, weshalb ausgerechnet der Rasen als Erstes die Segel streicht, muss unter die Grasnarbe schauen. Rasengräser sind Flachwurzler und kommen maximal 15 cm tief in den Boden – deshalb lässt sich Rasen ja auch so bequem als Rollrasen verlegen, es geht schlicht nichts in die Tiefe. Genau das wird ihm im Hitzesommer zum Verhängnis: Sobald die obersten Zentimeter austrocknen, ist der Vorrat aufgebraucht. Kräuter und Wildblumen wurzeln viel tiefer und holen sich das Wasser aus Schichten, an die der Rasen gar nie herankommt. Wer schon einmal eine Löwenzahnwurzel ausgegraben hat, weiss, wovon hier die Rede ist.
Daraus ergibt sich der wohl wirksamste Hitzeschutz überhaupt: einen Teil der Rasenfläche in einen Kräuter- oder Blumenrasen umwandeln. Der bleibt in Dürrejahren länger grün, will weniger Wasser, weniger Dünger und weniger Schnitt – und er blüht. Wovon Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge profitieren, die den Gefallen mit Bestäubung und weniger Blattläusen zurückzahlen. Als Faustregel gilt: Je höher der Gräseranteil, desto trittfester die Fläche. Je höher der Kräuteranteil, desto bienenfreundlicher und hitzefester.
Man muss dafür weder den ganzen Garten umkrempeln noch zur Schaufel greifen. Es reicht schon, eine Ecke weniger intensiv zu pflegen, also seltener zu mähen und nicht mehr zu düngen – dann kommt mit der Zeit von selbst, was zum Standort passt. Wer schneller ans Ziel will, deckt die Fläche im Herbst mit Karton ab (No-Dig-Methode), und im Frühling ist der Boden bereit für die Aussaat.
Welche Mischung wozu passt, wie der Kräuterteppich gelingt und was sich sonst noch aus einer Rasenfläche machen lässt, steht ausführlich auf unserer Seite zu den Rasenalternativen – naturnah und pflegeleicht.
Pflanzen, welche im Frühling gepflanzt wurden, haben sich bestimmt in den Böden etwas angewurzelt. Trotzdem werden sie im ersten Jahr bezüglich Wasser einen höheren Bedarf haben als «alteingesessene». Man sollte jedoch sparsam giessen, damit die Pflanze richtig durchwurzelt und in die tieferen Bodenschichten vordringt. Wenn die obere Schicht dauernd schön feucht ist, haben die Wurzeln keinen Grund in der Tiefe nach dem kühlen Nass zu suchen. Zusammengefasst heisst das: regelmässig gezielt, wurzelnah und kräftig giessen – aber nicht dauernd und grossflächig. Dann ist das Wasser am besten investiert und man spart viel davon. Wer die Möglichkeit hat Regenwasser zu sammeln, sollte dies auf jeden Fall tun. Damit kann man an regenreichen Tagen Wasser für die Hitzetage sammeln. Ausserdem ist Regenwasser – da es nicht hartes Wasser ist – sehr beliebt bei den Pflanzen. Vor allem bei jenen, die viel davon benötigen, wie Moorbeet-Pflanzen (z. B. Rhododendron) oder Hortensien.
Vor dem Giessen die Fingerprobe machen: zwei Fingerglieder tief in die Erde. Ist es dort unten feucht, bleibt die Kanne stehen. Hängende Blätter am Nachmittag sind nämlich oft gar kein Durst, sondern eine Notbremse gegen die Verdunstung – am nächsten Morgen steht die Pflanze wieder stramm da. Wer bei jedem Hängen zur Kanne greift, ersäuft am Ende mehr Pflanzen, als die Hitze ihm wegnimmt.
Ein Topfgarten ist im Hochsommer ein Kapitel für sich. Der Wasserbedarf durch das Aufwärmen des Topfes durch die Sonne, Boden- und Wandwärme darf man keinesfalls unterschätzen. Daher ist es wichtig, dass man bei der Topfwahl auf das Material achtet. Mittlerweile gibt es auch für den Aussenbereich diverse Töpfe und Tröge mit integriertem Wasser-Reservoir.
Dunkle Töpfe an der Sonne sind wahre Hitzemagnete und je nach Material auch gleich noch Hitzespeicher. Daher ist etwas Vorsicht geboten bei den «Garten-Design-Vorstellungen» vs. der Pflanzenfreundlichkeit. Nicht alles was stylisch aussieht, taugt auch wirklich was für ein gesundes Pflanzen-Topf-Klima.
Bei der Wahl der Erde sollte man auf den Bedarf der Pflanze achten und entsprechend qualitativ gute und geeignete Topf-, Kübelpflanzen- oder Hochbeeterde wählen. Bei Trögen und grossen Töpfen sowie Hochbeeten kann man Oyas (Tongefässe) mit ins Gefäss einbuddeln. Den Wasserstand im Hochsommer am besten täglich prüfen, bis man das Gefühl für den Verbrauch hat.
Zusätzlich entschärfen kann man mit dem Mulchen – ja, auch in Töpfen – oder dem Unterpflanzen mit niedrig wachsenden Kräutern oder Blumen (z. B. Veilchen). Das Unterpflanzen hat den Vorteil, dass die Wurzeln der Hauptpflanze schattiert werden und die Verdunstung über die Oberfläche geringer ist.
Je nach Hitzeverträglichkeit und Wurzeltiefe der Beipflanze zeigt sie einem auch gut und vor der Hauptpflanze an, wann wieder gewässert werden sollte. Wenn sie deutlich hitzeresistenter und ein Tiefwurzler ist, funktioniert dieses «Warnsystem» natürlich nicht ;-)
Die Standortwahl von Töpfen und Kübeln ist meistens schwierig, wenn man nur einen kleinen Balkon hat. Daher erst den Balkon und sein «Klima» anschauen, bevor man mit der Pflanzplanung beginnt. Für sonnige Balkone eignen sich viele Sonnenanbeter, darunter auch zahlreiche mediterrane Kräuter für die Küche.
Ein Kniff, den erstaunlich wenige kennen, und er funktioniert nach demselben Prinzip wie Schwitzen: Verdunstungskälte. Man stellt den Pflanztopf in einen grösseren Übertopf und füllt den Zwischenraum mit feuchtem Sand, Blähton oder auch nur einem nassen Tuch. Während dieses Wasser verdunstet, entzieht es der Umgebung Wärme, und der Wurzelballen bleibt spürbar kühler. Im Prinzip der Kühlschrank der Wüstenvölker, nur eben auf dem Südbalkon.
Dazu die simple Regel: helle Töpfe reflektieren, dunkle Töpfe speichern. Ein schwarzer Kübel auf Steinboden vor einer Betonwand ist die Kombination, an der irgendwann auch der zäheste Rosmarin die Segel streicht.
Achtung: Hitzeresistente Pflanzen, die wenig Wasser benötigen, haben trotzdem ihre Grenzen. Es ist ein grosser Unterschied, ob diese Pflanzen im Freiland mit Wiese/Erde rundherum, in ein Kiesbett / einen Steingarten oder im Topf auf einem Steinboden mit einer Betonwand im Rücken gepflanzt sind. Sobald zu viel Stein und Beton ins Spiel kommt, werden auch die Sonnenanbeter zu Trockenpflanzen und gehen kaputt.
Grundsätzlich gelten die Angaben für Freilandpflanzung im Boden, im Gartenbeet, in der Wiese oder im Rasen. Hinzu kommt, dass jede NEU gepflanzte Pflanze grundsätzlich etwas mehr Wasser benötigt als eine angewurzelte und gut angewachsene Pflanze.
Nicht nur die Pflanzen können in Hitzephasen leiden, auch zahlreiche Gartenbewohner lechzen nach dem kühlen Nass. Vögel lieben es, in der Hitze ein Bad zu nehmen und die meisten ziehen ein Wasserbad dann einem Sandbad vor. Auch vielen Insekten reicht der Morgentau nicht und sie nehmen für sie sichere Wasserstellen dankbar an.
Am besten verteilt man die Wasserstellen an geeignete Punkte im Garten. Dabei muss man darauf achten, dass diese für die Tiere geeignet sind – sprich: sie darin nicht ertrinken oder für Fressfeinde auf dem Silbertablett serviert werden.
Wenn man den Tieren solche Tränke zur Verfügung stellt, sollte man diese auch täglich prüfen, bei Bedarf reinigen, frisch auffüllen und wo möglich neu sichern.
Stellt man solche Tränke nicht zur Verfügung, suchen sich die Tiere andere Möglichkeiten zu trinken. Das kann tödlich enden. Oben offene Oyas/Bewässerungshilfen sollten alle mit kleinen Stöckchen bestückt werden. So haben Insekten, die ins Wasser plumpsen eine Chance, daran wieder herauszuklettern.
Teiche, die eine steile und rutschige Uferzone aufweisen, sind für Igel sehr gefährlich und Badeschalen für Vögel im Gras oder der Wiese sind für Katzen eine persönliche Einladung mit Goldrand, sich auf die Lauer zu legen.
Bei Hitze treibt es die Menschen am Abend verständlicherweise raus ins Freie. Sobald es etwas abkühlt, leben die Gärten auf mit Grillpartys und anderen Aktivitäten. Auch die Tiere sind froh, nachtet es ein und sie wollen zur Ruhe kommen oder auf Futtersuche gehen.
Damit Mensch und Wildtier aneinander «vorbeikommen», ist es wichtig, dass die gestellten Ruhe- und Futterzonen fern der «Gartenparty» sind. Lärm, Licht und reges Treiben finden die Tiere nicht so prickelnd und einige von ihnen reagieren auf «Lärm- und Lichtverschmutzung» äusserst empfindlich.
Es spricht überhaupt nichts gegen einen geselligen und lustigen Gartenabend, aber eben einen, bei dem man nicht mit Gartenbeleuchtung die Nacht zum Tag macht und der Bass der Musik aus den Boxen keine hungrigen Igelmägen tanzen lässt.
Die nachtaktiven Tiere werden ein bisschen Rücksicht dankbar annehmen und dafür Schnaken, Mücken, Schnecken und andere tierischen «Lästerlinge» fernhalten. Und die tagaktiven Helferlein können in Ruhe schlafen und Kraft tanken, um am nächsten Tag dasselbe zu tun. So hat jeder was davon, wenn man ein kleines bisschen Rücksicht nimmt ;-)
Der Sommer macht seine Extreme gerne im Doppelpack. Nach Wochen drückender Schwüle entladen sich die Spannungen – und plötzlich prasselt Hagel auf die Tomaten, schüttet es so heftig, dass der ausgedörrte Boden gar nicht nachkommt, oder pfeift ein Sturm übers Hochbeet, dass die Stangenbohnen taumeln. Willkommen bei den Begleiterscheinungen, mit denen im Garten heute zu rechnen ist.
Komplett verhindern kann man die Kapriolen nicht, aber mit etwas Vorbereitung lässt sich das Schlimmste abfedern – und der eigene Blutdruck gleich mit.
Hagel kann zerstören, was über Wochen gewachsen ist. Es trifft meistens genau jene Pflanzen mit grossen, zarten Blättern am härtesten – Mangold, Salat, Kürbis, Zucchini, Tomaten und junge Setzlinge. Wer in einer hagelgefährdeten Region wohnt (das Mittelland und die Voralpen sind da Klassiker), sollte Hagelnetze oder Schattiernetze griffbereit haben. Sobald das Gewitter rollt, schnell über die empfindlichen Kulturen gespannt – das braucht zehn Minuten und kann die Ernte retten. Auch ein Vlies-Tunnel über den Setzlingen hilft schon viel.
Ein nützliches Gartentool im Sommer ist nicht nur die Giesskanne, sondern eine zuverlässige Wetter-App mit Gewitterwarnung.
Der Boden ist nach Wochen Trockenheit steinhart und nimmt das plötzliche Wasser oben gar nicht richtig auf. Es läuft ab, nimmt fruchtbare Erde mit (Stichwort Erosion) und verschlämmt die Oberfläche so, dass danach eine regelrechte Kruste entsteht. Zwei einfache Sachen helfen enorm:
Bei Töpfen und Kübeln gilt: Abzugslöcher prüfen. Nach langer Trockenheit sind die gerne mal verklebt oder von Wurzeln zugewachsen, und dann stehen die Pflanzen nach dem Wolkenbruch plötzlich im Sumpf.
Sommergewitter bringen oft heftige Böen. Was wackelt, kippt. Was nicht angebunden ist, knickt. Ein kurzer Rundgang vor der nächsten Gewitterwarnung lohnt sich:
Sobald es aufgeklart hat, lohnt sich ein Rundgang – und lange warten sollte man damit nicht, denn das nächste Sommergewitter lässt meist nicht lange auf sich warten. Angeknickte Triebe sauber abschneiden – zerquetschte Wunden sind Einfallstore für Pilze und Bakterien.
Weggeschwemmten Mulch wieder verteilen, abgesackte Erde nachfüllen und besonders gebeutelten Pflanzen mit einer Pflanzenstärkung unter die Arme greifen. Pflanzen sind erstaunlich regenerationsfähig – oft reichen Zeit, ein paar entfernte Blätter und ein bisschen Ruhe, damit sie ihre Energie wieder ins Gesunde stecken können.
Die Angaben gelten für die Pflanzung im Freiland – im Beet, in der Wiese oder im Rasen. Im Topf oder im Kiesbett vor einer Hausmauer sieht die Rechnung schnell anders aus.
| Garten/Pflanzen | Viel Sonne | Wenig Wasser |
|---|---|---|
| Rosmarin | x | x |
| Thymian | x | x |
| Oregano | x | x |
| Salbei | x | x |
| Lavendel | x | x |
| Garten/Pflanzen | Viel Sonne | Wenig Wasser |
|---|---|---|
| Artischocken | x | x |
| Mais | x | x |
| Kartoffeln | x | x |
| Knoblauch | x | x |
| Garten/Pflanzen | Viel Sonne | Wenig Wasser |
|---|---|---|
| Feigen | x | |
| Birnenbäume (Tiefwurzler) | x | x |
| Kirschpflaume | x | x |
| Indianerbanane | x |
| Garten/Pflanzen | Viel Sonne | Wenig Wasser |
|---|---|---|
| Goji-Beere | x | x |
| Sanddorn | x | x |
| Reben | x | x |
| Garten/Pflanzen | Viel Sonne | Wenig Wasser |
|---|---|---|
| Muskat-Garbe | x | x |
| Blauraute | x | x |
| Ehrenpreis | x | x |
| Echter Wermuth | x | x |
| Natternkopf | x | x |
| Purpur-Witwenblume | x | x |
| Königskerze | x | x |
| Garten/Pflanzen | Viel Sonne | Wenig Wasser |
|---|---|---|
| Wildstrauch Färberginster | x | x |
| Ölweide | x | x |
| Zierapfel | x | x |
| Felsenmispel | x | x |
| Mönchspfeffer | x | x |
| Kornelkirsche | x | x |
Jede Jahreszeit hat ihre Spezialisten aus der Tier- und Pflanzenwelt. Und andere, welche sich dann lieber verkriechen, nichts tun und einfach abwarten bis es vorbei ist. Zwar gibt es kaum Tiere und Pflanzen, welche einen «Sommerschlaf» machen, aber trotzdem hat jede Art ihre ganz eigene Strategie, die sengende Hitze zu überstehen.
Für Gärten in Gegenden, in denen das Thermometer in die tiefrote Zone wandert, gibt es zahlreiche «Tricks», sich genau diese Strategien zunutze zu machen.
Nadine hat bereits vom Balkon über Terrassen bis hin zum Freilandgarten alle durch. Und sie ist ganz klar ein heimliches «Nordlicht». Wenn es richtig heiss wird, leidet sie mit den Pflanzen und Gartenbewohnern mit. Darum legt sie in ihrem Garten viel Wert darauf, bei Hitzetagen im Hochsommer den Leidensdruck möglich tief zu halten.
In den letzten Jahren hat sie ein paar heftige Unwetter miterlebt – vom Totalausfall im Küchengarten bis zu abgedeckten Dächern. Seither tüftelt sie an wilden Schutzkonstruktionen, pflanzlichen Windbrechern und «Hagelschirmen» aus Pflanzen: empfindliche Kulturen gedeihen unter robusten Wildsträuchern oder Laubgehölzen, die das Schlimmste abfangen.