Nach dem Planen, Säen, Pflegen und Schützen kommt jetzt der Teil, auf den man die ganze Saison hingearbeitet hat. Es wird geerntet. Tomaten, die nach Sommer schmecken. Kräuter, die schon beim Abzupfen duften. Zucchetti, die schneller wachsen, als man sie essen kann. Und irgendwann steht man mit vollen Körben in der Küche und fragt sich, wohin mit der ganzen Gartenernte?
In dieser Episode geht es um den leckersten Teil des Gärtnerns. Und um das Wissen, das den Unterschied macht zwischen «schnell verbraucht» und «den ganzen Winter davon zehren». Selbstversorgung heisst nämlich nicht, dass man ein Augustwochenende lang einkocht, bis der Keller voller Gläser steht. Meistens reicht es, den richtigen Erntezeitpunkt zu kennen, das Gemüse an den passenden Ort zu stellen und ein bisschen zu tricksen.
Das bietet diese Seite zum Thema Selbstversorgergarten
Der Erntezeitpunkt entscheidet über Geschmack, Nährstoffe und Lagerfähigkeit.
Wer zu früh erntet, verschenkt Aroma. Wer zu spät kommt, hat Gemüse, das sich nicht mehr lagern lässt. Trifft man den Moment, hat man mit weniger Aufwand mehr davon, und zwar länger.
Profi muss man dafür keiner sein. Vieles verrät einem die Garten-WG von selbst. Die Amseln wissen ziemlich genau, wann Holunder und Aronia so weit sind, und sie sind meist schneller, als man selbst und einem lieb ist – Mundraubalarm. ;-)
An Schlehen und Hagebutten dagegen sieht man sie kaum vor dem Spätherbst. Die werden nämlich erst nach dem Frost mild, weil die Gerbstoffe abgebaut werden und die Frucht weich wird. Wer nicht auf den Frost warten will, legt die Beeren eine Nacht in den Tiefkühler. Der Effekt ist derselbe.
Beim Obst gibt es einen Unterschied, den viele nicht kennen. Pflückreife und Genussreife sind zwei verschiedene Dinge.
Manche Früchte schmecken direkt vom Baum am besten. Andere brauchen Wochen im Keller, bis sie überhaupt gut sind.
Dahinter steckt eine einzige Unterscheidung, und die gilt für den ganzen Garten. Manche Früchte reifen nach der Ernte weiter, andere nicht. Äpfel, Birnen, Quitten, Zwetschgen, Aprikosen, Pfirsiche, Kaki und Tomaten gehören zur ersten Gruppe. Sie legen nach dem Pflücken einen Ethylenschub hin, werden weicher und aromatischer, und die Lageräpfel obendrein süsser.
Kirschen, Beeren, Trauben und Granatäpfel gehören zur zweiten Gruppe. Was diese Früchte bei der Ernte nicht mitbringen, bekommen sie nie mehr. Für sie gilt nur eine Regel. Vollreif pflücken oder bleiben lassen.
Ob ein Apfel pflückreif ist, verrät der Kipp-Test. Frucht am Baum um 90 Grad drehen. Löst sich der Stiel leicht vom Ast, kann man ernten. Muss man ziehen, braucht er noch. Der Stiel bleibt an der Frucht, ohne ihn fault der Apfel schneller. Und man beginnt oben auf der Sonnenseite, dort sind die Früchte zuerst so weit.
Dahinter steckt derselbe Mechanismus wie beim Tomatenpflücken. Reifende Früchte bilden am Stielansatz eine Trennschicht aus, eine Sollbruchstelle. Ausgerechnet das Ethylen, das die Frucht beim Reifen selbst produziert, aktiviert dort die Enzyme, welche die Zellverbindungen auflösen. Die Frucht reift und richtet gleichzeitig ihren eigenen Abgang ein. Bei der Tomate spürt man das als kleinen Knick am Stiel, der bei leichtem Daumendruck sauber bricht. Beim Apfel ist es der Kipp-Test. Und bei den Baumnüssen ist es der Grund, warum man nicht schütteln muss.
Beeren sind die Sprinter unter den Erntefrüchten. Kurzes Fenster, schneller Genuss oder schnelle Verarbeitung.
Nüsse sind die Langstreckenläufer. Nach dem Sammeln brauchen sie Wochen, bis sie so weit sind. Dafür halten sie dann monatelang.
Für alle Nüsse gilt, dass nur einwandfreie Exemplare ins Lager kommen. Risse, Löcher vom Haselnussbohrer oder Schimmelspuren sofort aussortieren. Eine einzige schimmlige Nuss reicht, um den ganzen Sack zu verderben.
Kräuter ernten ist ein bisschen wie Parfum machen – es kommt auf den richtigen Moment an.
Die ätherischen Öle, die den Geschmack ausmachen, schwanken je nach Tageszeit, Wetter und Blühstadium.
Tipp: Beim Rosmarin als erstes einen Zwischenstopp einlegen und den Geruch tief einatmen - das macht selbst die müden Geister munter. ;-)
Welche Kräuter sich trocknen, einfrieren oder einlegen lassen – mit Übersichtstabelle und Grundrezepten – steht auf «Kräuter konservieren».
Es klingt nach einer Detailfrage, aber die Tageszeit der Ernte beeinflusst Knackigkeit, Geschmack, Haltbarkeit und sogar den Nitratgehalt. Und je nachdem, was man mit der Ernte vorhat, gibt es unterschiedliche Empfehlungen.
Die Faustregel: Was gelagert wird, erntet man morgens, weil es dann prall und kühl ist. Was direkt auf den Teller kommt, erntet man abends, weil es dann am wenigsten Nitrat enthält. Kräuter mittags. Nüsse sofort.
Der Zeitpunkt stimmt. Und jetzt? Wie geerntet wird, entscheidet mit darüber, wie lange die Ernte hält. Vier Dinge machen fast den ganzen Unterschied.
Ein abgeschnittener Stängel hinterlässt einen Stumpf, und der fault ins Rhizom hinein. Deshalb fasst man ihn weit unten, dreht leicht und zieht ihn mit einem Ruck seitlich heraus. Die Wunde bleibt klein und trocknet innerhalb Stunden ab.
Dazu zwei Faustregeln. Nie mehr als ein Drittel der Stängel ernten. Und nach dem Johannistag am 24. Juni ist Schluss, denn der Oxalsäuregehalt steigt im Lauf der Saison, und die Pflanze braucht den Rest des Sommers, um Reserven einzulagern. Bei den neueren immertragenden Sorten wie 'Livingstone' fällt diese Pause weg, sie treiben bis in den Herbst nach. Die Blätter kommen nicht auf den Teller, dafür steckt zu viel Oxalsäure drin. Auf dem Kompost oder als Mulch zwischen den Reihen sind sie dagegen bestens aufgehoben.
Die Ernte beginnt nicht erst im Hochsommer. Wer im März den ersten Bärlauch pflückt, im April Nüsslisalat schneidet und im Mai die ersten Radieschen zieht, ist längst mittendrin.
Genau das ist das Schöne daran. Es kommt nicht alles auf einmal, sondern Stück für Stück über die ganze Saison verteilt. Zeit genug für die entscheidende Frage. Was mache ich jetzt damit?
Hier liegt ein weit verbreiteter Irrtum begraben: Selbstversorgung heisst nicht, dass an einem Wochenende im August die gesamte Ernte in Gläser abgefüllt wird.
Tatsächlich wird das meiste Wintergemüse gelagert, nicht konserviert – und zwar mit erstaunlich wenig Aufwand. Einkochen, Einfrieren und Trocknen haben absolut ihren Platz, aber sie kommen erst ins Spiel, wenn die einfacheren Methoden nicht passen.
Das Beet ist übrigens das energieärmste Lager, das es gibt. Kein Strom, kein Glas, kein Platz im Keller. Pastinaken und Schwarzwurzeln werden nach dem ersten Frost sogar süsser. Ernten kann man, solange der Boden nicht durchgefroren ist. Eine Schicht Laub oder ein Vlies drüber, und im Januar holt man sich frisches Gemüse aus dem Garten. Gefrorene Blätter lässt man in Ruhe. Fasst man sie an, bricht die Zellstruktur, und beim Auftauen wird Matsch daraus.
«Kühler Keller» ist nämlich nicht gleich «kühler Keller». Gemüse hat sehr unterschiedliche Ansprüche. Wer alles in dieselbe Ecke stellt, verliert die Hälfte.
| Klimazone | Wer will das? | Warum |
|---|---|---|
| Kühl & feucht 0–4 °C, 90–95 % Luftfeuchte |
Karotten, Randen, Sellerie, Pastinaken, Rettich, Kohl | Aus den Wurzeln verdunstet weiter Wasser. Zu trocken heisst gummig und schrumpelig. |
| Kühl bis temperiert & trocken 0–15 °C, 60–70 % Luftfeuchte |
Zwiebeln, Knoblauch, Nüsse | Feuchtigkeit bedeutet Schimmel und vorzeitiges Austreiben. Knoblauch und Nüsse mögen das kalte Ende, Zwiebeln treiben im kalten Keller eher aus. |
| Warm & trocken 12–20 °C |
Kürbis | Der Einzige, der im kalten Keller kaputtgeht. |
| Kühl, dunkel & separat 4–8 °C |
Kartoffeln, Äpfel | Licht macht Solanin – und die beiden gehören nicht nebeneinander. |
Die eleganteste Lösung für Karotten, Randen, Sellerie und Pastinaken ist eine Kiste mit leicht feuchtem Sand. Der Sand hält die Luftfeuchtigkeit oben, so dass nichts verdunstet, und er trennt die Rüben voneinander. Fault doch eine, steckt sie die Nachbarn nicht an.
Der Sand soll feucht sein, nicht nass. Drückt man ihn in der Hand zusammen und er behält die Form, ohne dass Wasser austritt, stimmt es. So halten Karotten und Randen vier bis sechs Monate, Sellerie drei bis fünf. Wie man ein Sandlager Schicht für Schicht aufbaut, im Keller oder als mäusesichere Variante auf dem Balkon, steht auf «Der Gemüsegarten im Winter».
Kartoffeln wollen es dunkel, luftig und 4–8 °C kühl. Zwei Fehler kosten hier die ganze Ernte:
Bei Zwiebeln und Knoblauch fängt die eigentliche Arbeit nach der Ernte an. Wer sie direkt in den Keller trägt, wundert sich im November über Schimmel.
Nach dem Ausgraben zwei bis drei Wochen luftig, warm und trocken nachtrocknen lassen. Auf einem Gitter, im Gartenhaus, unter dem Vordach, notfalls auf Zeitungspapier im Estrich. Fertig ist es, wenn die äusseren Häute papierartig rascheln und der Hals komplett trocken ist. Erst dann geht es ins kühle, trockene Lager, in Netzen, Kisten oder als geflochtene Zöpfe. Knoblauch mag es dabei richtig kühl, gegen null Grad. Zwiebeln dagegen treiben im kalten Keller eher aus und sind in einer belüfteten Speisekammer besser aufgehoben. So halten Zwiebeln sechs bis acht Monate, Knoblauch sechs bis neun.
Zwiebelzöpfe flechten ist übrigens die einzige Handarbeit, die nach Suppe riecht, und ein wunderbares Abendprogramm für Regentage. Hängend zirkuliert die Luft optimal, und man sieht sofort, wenn eine Zwiebel weich wird.
Der Kürbis ist der Sonderling im Vorrat. Er ist der Einzige, der es im Keller nicht aushält. Unter 10 °C bekommt er Kälteschäden und fängt an zu faulen. Sein Lieblingsplatz liegt bei 12 bis 20 °C, trocken und luftig, somit durchaus im Wohnbereich. Ein Regal im Flur, unter dem Bett, im Treppenhaus. Er sieht ja auch gut aus.
Vor dem Einlagern lässt man ihn zwei Wochen aushärten, warm und sonnig, zum Beispiel auf der Fensterbank. Das verdickt die Schale. Nie auf dem Stielansatz lagern und nie stapeln. Hokkaido hält drei bis vier Monate, Butternut fünf bis sechs, Muskatkürbis auch mal acht. Je dickschaliger, desto länger.
Kohl lagert kühl und feucht. Weisskabis und Rotkabis halten mit den äusseren Blättern drei bis fünf Monate. Wer Platz hat, hängt ihn kopfüber an der Wurzel auf, dann geht noch mehr.
Eines haben Äpfel, Birnen und Quitten gemeinsam. Sie gehören getrennt vom Rest.
Es gibt einen Grund, warum die Karotten neben den Äpfeln bitter geworden sind. Und der Grund ist ein Gas.
Reifende Früchte produzieren Ethylen, ein Pflanzenhormon mit der Botschaft «reif werden». Für die Pflanze ist das clever. Reift eine Frucht, sollen die anderen nachziehen. Im Lagerraum wird daraus ein Problem, denn das Gas hört nicht an der Fruchtschale auf. Es breitet sich aus und beschleunigt die Alterung von allem, was danebenliegt.
Die grossen Produzenten sind Äpfel und Birnen, dazu Tomaten, Aprikosen, Pflaumen und Quitten. Empfindlich reagieren Karotten, Kohl, Brokkoli, Gurken, Kartoffeln, Auberginen, Salate und praktisch alles Blattgemüse.
Die Aubergine ist dabei ein hübscher Sonderfall. Neben Äpfeln altert sie schneller und wird schrumpelig. Genau diese Empfindlichkeit nutzt man am Saisonende aus, wenn noch unreife Früchte am Strauch hängen und die Nächte zu kalt zum Ausreifen werden. Abschneiden, einen Apfel danebenlegen, und sie färben nach.
Der Klassiker sind bitter gewordene Karotten. Die Karotte reagiert auf das Ethylen mit der Bildung von Bitterstoffen, eine Art Stressantwort. Zurückholen lässt sich das nicht mehr.
Bei Kartoffeln und Äpfeln ist sich die Fachwelt über den genauen Mechanismus nicht einig. Sicher ist, dass Kartoffeln viel Feuchtigkeit abgeben und ihren erdigen Geruch an die Äpfel weiterreichen, während die Äpfel ihrerseits die Alterung der Nachbarn antreiben. Getrennt lagern ist so oder so die bessere Wahl.
Die einfachste Regel lautet, dass Äpfel und Birnen eine eigene Ecke bekommen. Am liebsten einen eigenen Raum, mindestens aber eine geschlossene Kiste. Und regelmässig lüften.
Genau dieses Gas kann man sich zunutze machen. Grüne Tomaten reifen auf der Fensterbank viel schneller nach, wenn ein Apfel dabei liegt. Dasselbe gilt für harte Avocados, unreife Birnen, Auberginen und Minikiwis. Was im Keller Ärger macht, ist in der Papiertüte ein Beschleuniger.
Der klassische Naturkeller mit Lehmboden ist ein Traum. Nur haben ihn die wenigsten. Wer in einer modernen Wohnung lebt, hat einen beheizten Kellerabteil bei 18 °C oder gar keinen. Aufgeben muss man deswegen nicht – man muss nur kreativ suchen.
Was man wahrscheinlich hat:
Der Trick für alle Experimentierfreudigen: Kauf dir ein günstiges Thermo-Hygrometer und leg es eine Woche in den Raum, den du im Verdacht hast. Du wirst überrascht sein, wie unterschiedlich Ecken derselben Wohnung sind. Mit dem Wissen um Temperatur und Luftfeuchte kannst du selbst entscheiden, welche Klimazone du dort abbildest – und brauchst keine Tabelle mehr.
Und wenn gar nichts geht: Dann konserviert man eben mehr. Ein Regal mit Gläsern braucht kein spezielles Klima.
Der häufigste Grund, warum ein Vorrat kippt, ist nicht das falsche Klima. Es ist, dass niemand hinschaut.
Einmal pro Woche kurz durchgehen. Riecht es anders? Ist irgendwo eine weiche Stelle? Eine einzige faulende Kartoffel oder ein schimmliger Apfel steckt in wenigen Tagen die Nachbarn an, denn Fäulnispilze verbreiten sich über Kontakt und über die Luft.
Was du dabei machst:
Klingt nach Aufwand, ist aber der schönste Moment der Woche. Man geht in den Keller, es riecht nach Erde und Äpfeln, und man nimmt gleich mit, was man zum Kochen braucht. Zehn Minuten, die einen ganzen Winter retten.
Nicht alles lässt sich einlagern. Tomaten, Beeren, Bohnen und Kräuter müssen anders haltbar gemacht werden – und dahinter steckt immer dasselbe Prinzip.
Bakterien, Hefen und Schimmelpilze brauchen vier Dinge, um Lebensmittel zu zersetzen. Wasser, Wärme, Nährstoffe und ein einigermassen neutrales Milieu. Jede Konservierungsmethode nimmt ihnen genau eines davon weg. Trocknen entzieht das Wasser. Einfrieren die Wärme. Einkochen arbeitet erst mit Hitze und dann mit Luftabschluss. Einlegen und Fermentieren senken den pH-Wert. Und Zucker bindet in Konfitüre und Sirup das freie Wasser.
Wer das einmal verstanden hat, kann jedes Rezept einschätzen und merkt sofort, wenn etwas nicht sicher ist.
Ein wichtiger Unterschied zum Lagern. Was konserviert wird, wird vorher gewaschen. Die Regel «Lagergemüse nicht waschen» gilt ausschliesslich für den Vorrat im Keller.
Und ein Wort zur Energie. Die Tiefkühltruhe ist bequem, kostet aber das ganze Jahr Strom. Der Keller kostet nichts. Ein Glas Sugo kostet einmal Energie beim Einkochen und danach jahrelang nichts mehr. Fermentieren braucht überhaupt keine. Wer seinen Vorrat klug mischt, spart Platz und Stromkosten.
Wie die einzelnen Methoden funktionieren, von Einkochen über Trocknen bis Fermentieren, steht ausführlich auf «Erntedank aus dem eigenen Küchengarten». Wer den Sommer im Glas festhalten will, wird auf «Sommer im Glas» fündig und alles über das Konservieren von Kräutern findet man ebenfalls in der «Gartenküche».
Die Ernte ist nicht nur Essen. Sie ist auch das nächste Jahr.
Wer eigenes Saatgut gewinnt, wird unabhängiger, spart Geld und tut nebenbei etwas für die Sortenvielfalt. Alte, samenfeste Sorten überleben nämlich nur, wenn sie jemand weiter anbaut. Jedes selbst gefüllte Tütchen ist ein kleiner Beitrag zum Erhalt einer Vielfalt, die im Gemüseregal längst verschwunden ist.
Die wichtigste Voraussetzung sind samenfeste Sorten. Bei F1-Hybriden fällt die nächste Generation auseinander. Da wird aus einer guten Tomate alles Mögliche, nur nicht dieselbe Tomate. Wer Saatgut gewinnen möchte, entscheidet das schon beim Kauf.
Samenfest heisst allerdings nicht kreuzungssicher. Das eine sagt aus, dass die Sorte ihre Eigenschaften weitergibt, das andere hängt davon ab, wer die Blüte bestäubt hat. Stehen zwei samenfeste Sorten derselben Art nebeneinander, mischt die Biene fleissig mit, und im nächsten Jahr wächst etwas Drittes. Wer sortenrein vermehren will, baut nur eine Sorte pro Art an, hält Abstand oder tütet einzelne Blüten ab und bestäubt von Hand.
Gelagert wird Saatgut trocken, dunkel und kühl, immer beschriftet mit Sorte und Jahr. Papiertütchen oder Gläser mit einem Beutelchen Reis als Trockenmittel reichen völlig.
Ein Gedanke zum Innehalten, bevor der letzte Apfel im Korb landet. Nicht alles, was in diesem Garten gewachsen ist, war für uns bestimmt.
Die Saison hat man nicht allein bestritten. Die Wildbiene hat die Zucchetti bestäubt. Die Schwebfliegenlarve hat sich durch Blattlauskolonien gefressen, die man nie zu Gesicht bekommen hat. Der Ohrwurm war nachts im Apfelbaum unterwegs. Und der Laufkäfer, unscheinbar und praktisch nie beachtet, hat sich im Beet über Schneckeneier hergemacht. Dazu kommen die Gartenvögel wie Amseln, Meisen, Zaunkönig, Rotkehlchen, Hausrotschwanz & Co. Sie füttern ihre Jungen mit eiweissreicher Nahrung direkt aus dem Garten. Blattläuse, Kohlweisslingsraupen, Mücken, Schneckeneier und mehr haben mit der gefiederten Gartengarde schlechte Karten bei der «Garteneroberung» ;-)
Ein Selbstversorgergarten ohne Nützlinge ist keiner, und diese Mitbewohner arbeiten nicht umsonst. Sie müssen über den Winter kommen. Genau dafür sind die Beeren, die hängen bleiben, die Samenstände, die stehen bleiben, und die Ecke, die man nicht aufräumt.
Das ist die Lohnzahlung am Ende der Saison und gleichzeitig die Anzahlung auf die nächste. Wer im Herbst grosszügig ist, hat im Frühling mehr Verbündete. So wird aus dem Selbstversorgergarten das, was er sein kann. Ein Ort, an dem nicht nur einer satt wird.
Wer diese WG gezielt vergrössern will, findet in der «Selbstversorger-Episode 2» alles zu Nützlingen und Unterschlupf. Und wer richtig einsteigen möchte, schaut bei «Biodiversität im Garten» und «Wilde (H-)Ecken» vorbei.
Das Beet ist abgeräumt, und jetzt liegt es brach. Nackter Boden ist allerdings der Zustand, den die Natur am wenigsten mag. Er trocknet aus, verschlämmt bei Starkregen, und die Nährstoffe waschen sich aus. Drei Dinge lohnen sich jetzt zu tun. Eine Gründüngung säen, mit Laub oder Ernteresten mulchen und nachsäen, was noch geht. Nüsslisalat, Winterspinat und Asia-Salate lassen sich bis in den Herbst hinein ausbringen.
Auch das, was man nicht mehr geschafft hat, ist nicht verloren. Die vergessene Zucchetti, das angefaulte Obst. Auf dem Kompost wird daraus Humus, und aus Humus wird nächstes Jahr wieder Gemüse. Der Kreislauf funktioniert auch ohne schlechtes Gewissen.
Wo wir schon beim nächsten Jahr sind. Jetzt ist der beste Moment, um aufzuschreiben, wovon es zu viel war. Zwei Zucchettipflanzen sind für die meisten Haushalte etwa anderthalb zu viel. Das weiss man allerdings erst, wenn man es einmal erlebt hat. Damit sind wir wieder am Anfang, bei der Planung. Der Garten läuft im Kreis, und das ist das Beruhigende daran. Was jetzt endet, ist bereits der Start für nächstes Jahr.
Welche Gründüngung was bewirkt, wann welches Wintergemüse gesät wird und warum man eine Gründüngung nie versamen lassen sollte, steht inklusive Aussaatkalendern auf «Der Gemüsegarten im Winter». Fürs Aufschreiben liefert das «Gartenjournal» Inspiration.
Nadine hat das Gartenmotto: «Wenn Gartenarbeit, dann muss es schmecken!». Genauso gärtnert sie auch. Bereits der erste Balkongarten quoll über mit Beeren, Kräutern, Tomaten, Radieschen und Schnittsalat. Und es wurde immer wilder ;-). Es ist kein Meister vom Himmel gefallen und auch sie hatte schon einige Rückschläge. Aber nichts desto trotz gibt es kein Halten, wenn es um das Anziehen und pflegen von eigenem Obst, Beeren, Gemüse und Kräuter geht.