Dünger kann Wunder wirken – oder dem Pflanzenwachstum schaden. Entscheidend ist, was und wie viel man düngt.
Wer Pflanzen gezielt nach ihrem Bedarf versorgt, den Boden mit organischen Nährstoffen pflegt und auf natürliche Pflanzenstärkung setzt, erntet nicht nur gesundes Gemüse und üppige Blüten, sondern schützt gleichzeitig Boden, Wasser, Klima und die Vielfalt im eigenen Garten.
Worauf man bereits vor dem Düngen achten sollte, welche Art von Dünger am schnellsten wirkt und ob man auch im Sommer noch düngt, zeigen wir hier.
Das bietet diese Seite zum Thema Dünger-ABC
Wer so vorgeht, schafft die Grundlage für einen lebendigen Biogarten mit stabilen, widerstandsfähigen Pflanzen.
Pflanzen brauchen vor allem Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K), dazu Magnesium, Kalzium, Schwefel und Spurenelemente wie Eisen oder Mangan. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern ein passendes, ausgeglichenes Nährstoffangebot – schon ein einziger Mangelstoff bremst das Wachstum, egal wie viel von den anderen vorhanden ist (Prinzip des Minimums). Zu viel eines Nährstoffs kann zudem die Aufnahme anderer blockieren und zu Schäden sowie erhöhter Anfälligkeit für Krankheiten führen. Phosphor ist zum Beispiel meistens in ausreichender Menge im Boden vorhanden und nur in geringen Mengen erforderlich.
Ebenso wichtig ist der Boden: Struktur, Humusgehalt und pH-Wert bestimmen, wie gut Wurzeln Nährstoffe und Wasser aufnehmen können. Ebenso Bodenlebewesen, die für Abbau und Freisetzung sorgen und somit die Nährstoffverfügbarkeit mitbestimmen. Leichte (sandige) Böden werden schneller ausgewaschen und vertragen noch weniger Dünger als schwere, humusreiche Böden.
Organisch statt mineralisch: Im Biogarten setzt man auf organische Dünger (z. B. Schafwoll- und Hühnermistpellets, Steinmehle, aktivierte Pflanzenkohle, Wurmhumus, organische Spezialdünger). Sie werden durch Bodenorganismen langsam umgesetzt, geben Nährstoffe langsam frei und verbessern gleichzeitig die Bodenstruktur
Festdünger eignen sich für die Grundversorgung und wirken langfristig,
Flüssigdünger nimmt man bei raschem Nährstoffbedarf über die Wurzeln (z. B. bei Topfpflanzen oder Starkzehrern).
Blattdünger wirkt als «Nothelfer» bei sichtbaren Mangelerscheinungen am schnellsten, weil die Nährstoffe direkt über die Blätter aufgenommen werden.
Mehr dazu unter Forschungsecke: Kann etwas ohne Chemie sein?
Die stärkste Düngung erfolgt im Frühjahr, wenn das Wachstum startet; organische Dünger mit Langzeitwirkung bringt man idealerweise im März/April aus. Spätestens Ende Juli sollte man im Freiland mit der Düngung abschliessen, damit Triebe rechtzeitig ausreifen und winterhart werden.
Organische Festdünger werden flach in die oberste Bodenschicht eingearbeitet oder als dünne Schicht aufgebracht und mit einer Mulchschicht kombiniert. Bei Gehölzen und Stauden verteilt man den Dünger im Wurzelbereich und hält einen Abstand zum Stamm oder Herz der Pflanze, um Fäulnis zu vermeiden.
Flüssigdünger wird ins Giesswasser gemischt und über die Wurzeln aufgenommen, während Blattdünger fein auf die Blätter gesprüht wird, damit die Nährstoffe besonders schnell verfügbar sind.
Im Biogarten steht Pflanzenstärkung an erster Stelle: Gesunde, vital versorgte Pflanzen sind weniger anfällig für Krankheiten und Schädlinge.
Pflanzenstärkungsmittel liefern nicht primär Nährstoffe, sondern unterstützen Stoffwechsel, Abwehrkräfte, Wurzelwachstum und eine gesunde Wurzelumgebung.
Mehr dazu hier: Pflanzenstärkung mit Mikroorganismen
Jauchen und Extrakte sind im Dünger-ABC die bewegliche „Feinabstimmung“: Sie verbinden sanfte Düngung mit gezielter Pflanzenstärkung. Statt viele Nährstoffe auf einmal auszubringen, arbeitet man mit verdünnten, natürlichen Pflanzenauszügen, die Bodenleben, Wurzeln und Blätter aktivieren.
Brennnesseljauche unterstützt vor allem Starkzehrer wie Tomaten, Kohl oder Kürbis mit zusätzlichem Stickstoff und Spurenelementen und wird in der Wachstumszeit verdünnt im Wurzelbereich gegossen.
Schachtelhalmjauche stärkt dank Kieselsäure die Blattgesundheit und wird regelmässig als Spritzung gegen typische Pilzprobleme an Rosen, Beeren und Gemüse eingesetzt.
Beinwelljauche liefert viel Kalium für Blüten- und Fruchtbildung, z. B. bei Beeren, Obst und Tomaten, und passt besonders gut in die Phase rund um Blühbeginn und Fruchtansatz.
Mehr dazu unter: Jauchen & Extrakte.
Pflanzengruppe |
Dünger-Bedarf & Zeitpunkt (Garten) |
Empfehlung Biogarten (organisch & vital) |
| Gemüse-Starkzehrer (Tomaten, Kohl, Kürbis, Sellerie) |
Hoher Nährstoffbedarf, Grunddüngung im Frühling, Nachdüngung bis Juli |
Vor Pflanzung Kompost und organischer Gemüsedünger, während Saison Brennnesseljauche und Vitalprodukt, bei Fruchtansatz organische Nachdüngung |
| Gemüse-Mittel-/Schwachzehrer (Erbsen, Bohnen, Salate, Kräuter) |
Weniger Dünger, zu viel N schadet Aroma und Gesundheit |
Leicht kompostieren, bei Bedarf milde Düngung, regelmässige Pflanzenstärkung |
| Beerenobst (Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren) | Massvolle Düngung im Frühling, Bodenpflege wichtiger als hohe Gaben. Nachdüngung im Juni (optimale Versorgung der Fruchtausbildung) | Mehrnährstoffdünger für Beeren, regelmässige Vitalbehandlungen, niedrigwachsende Gründüngung zwischen den Kulturen |
| Stauden & Rosen | Jährliche Frühjahrsdüngung, schwache Nachdüngung möglich | Kompost und organischer Staudendünger, Ackerschachtelhalm- oder andere Stärkungsmittel gegen Pilze, Jauchen nur verdünnt und massvoll |
| Rasen |
Im Frühling und danach je nach Nutzung moderater N-Bedarf, vorsichtig mit Nitraten |
Organischer Rasendünger im Frühling, eventuell zweite Gabe im Frühsommer, Lüften & Kompost-Sand-Gemisch statt Überdüngung |
| Balkon- und Topfpflanzen |
Hoher Bedarf im engen Wurzelraum, regelmässige, kleine Gaben |
Langzeitdünger in Bioqualität in die Erde einmischen, zusätzlich flüssig organisch düngen und Vitalprodukte giessen/sprühen, Staunässe vermeiden |
* bei Feststoffdünger. Flüssigdünger werden je nach Kultur regelmässig alle 14 Tage angewendet.
Früher wurde im Garten gerne „auf Vorrat“ mineralisch gedüngt, um maximale Erträge zu erzielen. Heute weiss man:
Aktuelle Leitlinien und Umweltbehörden empfehlen deshalb eine Kombination aus: