«Kommen lassen und wachsen lassen»

  • Gärtner:innen: Ruth Schaffner

  • Ort / Region: Oberhofen am Thunersee (ca. 650 m.ü.M.)
  • Gartennutzer:innen: Hauptsächlich Ruth. Das Heu der Naturwiesen nimmt gerne ein Bauer. Sonst wird gerne geteilt mit vielen Eidechsen (Mauer- und Zauneidechsen), Blindschleichen, Ringelnattern, laichenden Kröten und, immer seltener allerdings, mit Grasfröschen. Auch gerne gesehen sind zahlreiche Vögel (Spyre (=Mauersegler), Amseln, Blaumeisen, Kohlmeisen, Zilpzalp, Rotkehlchen, Rotschwänzchen), sowie Dachs, Fuchs und Wild. Nicht willkommen sind die vielen Katzen aus der Nachbarschaft, die mit ihrem Jagdtrieb dem Kleingetier sehr schaden.
  • Seit wann wird der Garten naturnah gestaltet: seit mehr als 30 Jahren
  • Gartengrösse: ca. 1400 m(inklusive Haus)
  • Auszeichnungsjahr: 2026

 

Lieblingsprojekt:

Neben meinem Gemüse aus der Vierfelderwirtschaft ernte ich auch Beeren, Obst und Kräuter, das macht Freude. Ganz besonders ist in unserem Garten der üppige Baumbestand; neben und hinter dem Haus herrscht ein Paradies für Vögel, und die Jahrzehnte alten Bäume spenden neben Lebensraum und Nahrung auch angenehmen Schatten.

 

Ruth Schaffner pflegt seit über 30 Jahren ihren rund 1400 m² grossen, naturnahen Garten in Oberhofen am Thunersee – Lebensraum für Eidechsen, Ringelnattern, Kröten und zahlreiche Vogelarten. | © Andermatt Biogarten AG
Ich schätze, was rundum wächst und spriesst. Dazu gehört für mich auch, alles zu verwerten.
Ruth Schaffner
Der Gartenteich vor dem Wohnhaus dient als Feuchtbiotop und Tränke für Vögel, Amphibien und Insekten – eines von vielen erfüllten Kriterien für die Biodiversitätsauszeichnung. | © Andermatt Biogarten AG

Erfüllte Kriterien

  • Frühjahr- oder Herbstblüher
  • Wildblumenwiese oder Ruderalstandort
  • Hecke aus heimischen Sträuchern
  • Brutgelegenheit für Vögel
  • Vogeltränke / Vogelbad
  • Winter- oder Tagesverstecke für Kleinsäuger
  • Winter- oder Tagesverstecke für Insekten
  • Nistmöglichkeiten für Wildbienen
  • Feuchtbiotop / Teich
  • Trockensteinmauer
  • Biotopbaum
  • Mischkulturen oder nützlingsfördernde Pflanzen
  • Dach- oder Mauerbegrünung
  • Störelemente auf ein Minimum reduziert
  • Gefahren für Kleintiere auf ein Minimum reduziert

Im Gespräch mit Ruth Schaffner

Andermatt Biogarten: Was hat dich dazu animiert, einen Biodiversitätsgarten zu gestalten?

Ruth Schaffner: Vieles habe ich von der Familie mitgekriegt, mit diesem Verständnis von der Natur bin ich aufgewachsen und es war ganz natürlich. Auch das Verwerten der Sachen; was man hat, braucht man. Es wäre für mich zum Beispiel unvorstellbar, die Äpfel meines alten Boskops nicht zu ernten. Naturnah zu gärtnern ist auch eine Frage der Priorität; was will man fördern und unterstützen, wofür steht man ein. Hier besteht zum Glück ein einigermassen verbundenes Gebiet, bis runter zur Strasse; gewachsener Boden, Obstwiesen und naturnahe Gärten geben eine gute Vernetzung ab und schaffen einen wertvollen Raum.

Womit hast du im biodiversen Garten begonnen, was empfiehlst du als Einstieg für Neuinteressierte?

Das kam ganz automatisch und nach und nach, zuerst mit der Heuwiese und einfach vielem Stehenlassen. Die Vögel waren bereits da, wir haben aber einiges an Nisthilfen ergänzt, auch, weil beim Hausumbau einige Schlupflöcher verloren gingen. An der Grenze beim Zaun haben wir vieles an Sträuchern ergänzt, was jetzt eine wunderbare Vogelhecke abgibt. Dort sind sie geschützt und können sich zwischen stacheligen Rosen, Liguster und Hopfen verstecken. Und auch für uns ist die Hecke ein Gewinn, sie schützt gegen Einsicht und Staub. Nicht alles ist wilde Natur, für mich braucht es auch viele Blüten. 

Was für Herausforderungen hast du erlebt und wie hast du sie gemeistert? 

So ein grosses Grundstück benötigt einiges an Zeit. Würde man den Naturgarten sich selbst überlassen, stünde hier schon längst ein Wald- besonders der Feldahorn und die Esche breiten sich gerne und schnell hier aus. Auch die vielen Mäuse werden manchmal zur Herausforderung. Damit es dort, wo ich ernten will die Schädlinge nicht allzu leicht haben, halte ich an diesen Stellen das Gras kurz. Die Rehe fressen leider sehr gerne an den Rosenknospen (die Himbeeren mögen sie lustigerweise weniger), und auch die Buchsbaumzünsler müssen stetig abgelesen werden, wie auch die Schnecken.

Welche Veränderungen im Gartenleben konntest du beobachten?

Am auffälligsten ist der Rückgang der Insekten; früher konnte ich richtige Konkurrenzkämpfe um die Mohnblüten beobachten, heute sind es viel weniger Wildbienen, die sich darum streiten (die Holzbiene scheint mir noch am konstantesten). Leider beobachte ich seit längerem auch keine Wiesel oder Igel mehr, auch wenn der Garten für sie gut zugänglich wäre. Und auch bei den Amphibien fällt mir fast schmerzlich auf, wie sehr die Grasfrösche zum Beispiel abgenommen haben, die Gründe dafür sind nicht klar.

Was ist in Zukunft noch geplant?

Diesen Frühling habe ich in einem Schmetterlingskurs von der Wichtigkeit des Faulbaums und Kreuzdorns für die Zitronenfalter gehört. Beide habe ich jetzt in meinem Garten gesetzt und bin ganz gespannt, wie sie anwachsen und ob sie angenommen werden.

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung und vielen Dank, dass Du mit Deinem Garten als Biodiversitäts-Vorbild wirkst, Ruth!

Eine artenreiche Wiese, die bewusst länger stehen gelassen wird, bietet wertvollen Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Nützlinge. Hohe Bäume im Hintergrund schaffen Schutz, Nistplätze und ein ausgeglichenes Mikroklima. | © Andermatt Biogarten AG

Eine artenreiche Wiese, die bewusst länger stehen gelassen wird, bietet wertvollen Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Nützlinge.

Blühende Stauden entlang eines Obstspaliers liefern kontinuierlich Nahrung, während hohe Bäume im Hintergrund Schutz, Nistplätze und ein ausgeglichenes Mikroklima schaffen. So entsteht ein lebendiges Zusammenspiel für mehr Biodiversität im Garten.

Ein naturnaher Weg aus Pflastersteinen mit offenen Fugen, in denen Kräuter und bienenfreundliche Pflanzen wachsen, verbindet Funktion und Ökologie und lässt Regenwasser natürlich versickern. | © Andermatt Biogarten AG

Oben: Ein naturnaher Weg aus Pflastersteinen mit offenen Fugen, in denen Kräuter und bienenfreundliche Pflanzen wachsen, verbindet Funktion und Ökologie. Die begrünten Zwischenräume fördern die Artenvielfalt, bieten Nahrung für Bestäuber und ermöglichen gleichzeitig, dass Regenwasser natürlich im Boden versickern kann.

Rechts: Zusammenspiel von Klimaschutz und Biodiversität: Am Boden installierte Heisswasserkollektoren nutzen erneuerbare Sonnenenergie für warmes Wasser und schaffen gleichzeitig neue Lebensräume im Garten. Die leichte Beschattung darunter schützt Pflanzen vor Hitze und Austrocknung und bietet Insekten sowie Bodenlebewesen einen geschützten Rückzugsort.

Am Boden installierte Heisswasserkollektoren nutzen erneuerbare Sonnenenergie und schaffen gleichzeitig neue Lebensräume: Die leichte Beschattung darunter schützt Pflanzen vor Hitze und bietet Insekten und Bodenlebewesen einen geschützten Rückzugsort. | © Andermatt Biogarten AG

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