«Eifach s'Gärteli»

  • Gärtner:innen: Marlise Ritz

  • Ort / Region: Einigen (ca. 570 m.ü.M.)
  • Gartennutzer:innen: Marlise und ihr Mann, sowie Besuchsweise die Familie, wobei die Enkelkinder natürlich speziell an den Erdbeeren interessiert sind. Zudem Echsen, grüne Heugümper in der Wiese, viele Bienen und Vögel (mehr im Winter), mindestens einmal eine Blindschleiche, und leider auch Katzen. Auf den Igel wird noch gewartet. 
  • Seit wann wird der Garten naturnah gestaltet: seit 2,5 Jahren
  • Gartengrösse: ca. 540m2 (mit Haus)
  • Auszeichnungsjahr: 2026

 

Lieblingsprojekt:

Die erhöhte Stelle auf der Steinmauer; es ist angenehm warn, man kriegt vieles im Garten mit und die Aussicht auf die Berge und den See ist jedes Mal einfach fantastisch.

Marlise Ritz mit Auszeichnung | © Andermatt Biogarten AG
Wenn einmal etwas nicht kommt, macht das nichts. So ist das halt, und es weht ja stets wieder Neues herbei.
Marlise Ritz
Gesamtansicht des naturnahen Gartens mit seinen verschiedenen Bereichen | © Andermatt Biogarten AG

Erfüllte Kriterien

  • Frühjahr- oder Herbstblüher
  • Wildblumenwiese oder Ruderalstandort
  • Hecke aus heimischen Sträuchern
  • Brutgelegenheit für Vögel
  • Vogeltränke / Vogelbad
  • Winter- oder Tagesverstecke für Kleinsäuger
  • Winter- oder Tagesverstecke für Insekten
  • Nistmöglichkeiten für Wildbienen
  • Trockensteinmauer
  • Mischkulturen oder nützlingsfördernde Pflanzen
  • Dach- oder Mauerbegrünung
  • Störelemente auf ein Minimum reduziert
  • Gefahren für Kleintiere auf ein Minimum reduziert

Im Gespräch mit Marlise Ritz

Andermatt Biogarten: Was hat dich dazu animiert, einen Biodiversitätsgarten zu gestalten?

Marlise Ritz: Ich habe unseren früheren Garten bereits auf diese Weise bewirtschaftet und danach umgestaltet, das wollte ich natürlich beibehalten und deshalb wurde auch der neue Garten so geplant. Es war eine angenehme Überraschung, dass ich noch einmal einen ganzen Garten gestalten durfte und ich habe es wirklich genossen, meine Ideen so umsetzen zu können. Die Achtsamkeit für die Natur startete schon in meiner Kindheit. Oft startet sowas ja langsam; es gibt eine Blumenwiese, die man mal anfängt, nur schrittweise zu mähen, und sonst Sachen einfach mal zu lassen, und nur das herauszunehmen, was überhand nimmt. 

Womit hast du im biodiversen Garten begonnen, was empfiehlst du als Einstieg für Neuinteressierte?

Zuerst waren hier nur wilde Brombeeren, die gerodet werden mussten, um Platz für Neues zu schaffen. Da wir einen alten verwilderten Baumbestand fällen mussten, galten strenge Vorschriften. Ich habe den Garten zusammen mit einem Bio-Gärtner angelegt und die Aufteilung in verschiedene Bereiche vorgegeben; ein kleines Wäldchen, ein Präriegarten, höher- und tiefergelegenes, die Gemüsegärtchen in Terrassennähe und auch die Gestaltung und Bepflanzung des Garagendachs. Wichtig war mir dabei schon im Voraus an die Bewässerung zu denken. Die Töpfe laufen über ein einfaches Bewässerungssystem, das meiste muss gar nicht zusätzlich bewässert werden. Zudem haben wir einen grossen Regenwassertank einbauen lassen.

Was für Herausforderungen hast du erlebt und wie hast du sie gemeistert? 

Viele unserer Nachbarn gärtnern leider noch konventionell, das ist schon schade. Vielleicht fühlen sie sich ja irgendwann angesteckt, oder eine frische, bewusstere Generation kommt nach, das wäre schön. Ich habe das Gefühl, dass das Bewusstsein für die Wichtigkeit von biologischem und biodiversen Gärtnern bei den jüngeren Gärtnern teils stärker ausgeprägt ist. Einige Sachen sind zwar schwer mitanzusehen, aber kaum zu ändern, wie die Elstern, die in den Obstbäumen auf der Nachbarswiese die Amselnestchen plündern. Wogegen man allerdings etwas tun kann und ich auch muss: gegen Schnecken.

Welche Veränderungen im Gartenleben konntest du beobachten?

Generell, über meinen Garten hinaus, habe ich während meines Lebens leider beobachtet, dass die Schwalben - sowie eigentlich alle Vogelarten - viel weniger werden. Früher habe ich auf meinem langen Schulweg noch sehr viele gesehen, heute sind es nur wenige (glücklicherweise eine davon bei uns; im ersten Jahr hat eine Schwalbe ihr Nest in unserer offenen Garage platziert). Hier im neuen Garten habe ich viele Elemente des Alten integriert, das hat sich ganz schön eingefügt. Wiederverwenden klappt generell gut, bei uns z.B. auch mit dem Birkentotholz. 

Es ist generell erstaunlich, wie schnell alles gewachsen ist und wie viel an Mehrwert für die Insektenwelt dadurch schon entstanden ist- bei den Wildbienenhäuschen müssen wir regelmässig anbauen, die Plätze sind begehrt. Praktischerweise kommt auf dem steinigen Möranenmaterial die Blumenwiese ganz gut, die Bedingungen scheinen wohl zu passen.

Was ist in Zukunft noch geplant?

Soeben planen wir noch eine Sandlinse für Wildbienen zu bauen. Danach möchte ich es mal wachsen lassen und genissen, bald sind wir noch etwas unterwegs, ich bin beruhigt zu wissen, dass das auch ohne Wässern zuhause gutgeht. Danach freue ich mich wieder auf mein kleines Paradies.

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung und vielen Dank, dass Du mit Deinem Garten als Biodiversitäts-Vorbild wirkst, Marlise!

Trockensteinmauer, die Gartenbereiche trennt und in den Zwischenräumen Verstecke bietet | © Andermatt Biogarten AG

Eine Mauer muss nicht immer um- oder einfassen, noch durchgehend sein. Ebenso wirkungsvoll ist sie, wenn sie zwei Bereiche trennt, Räume im Garten schafft und durch sie verschiedene Höhen zugelassen werden. Wichtig ist vor allem, genügend Zwischenräume zu lassen, damit sie ein gutes Versteck abgibt.

Steinhaufen mit Totholz hinter dem Naschgarten | © Andermatt Biogarten AG Naturnaher Weg im Garten, der statt eines Spielrasens zum Entdecken einlädt | © Andermatt Biogarten AG

Oben: Ecken wollen clever genutzt sein: Hinter dem Naschgarten, wo sowieso schwer hinzukommen ist, findet der Steinhaufen seinen Platz. Das ruhige Plätzchen ist ideal dafür, ebenso die Ergänzung durch Totholz.

Unten: Es braucht nicht immer einen Spielrasen; Wege sind viel spannender zu entdecken, auch für Kinder.

Begrüntes Garagendach mit einer Hügellandschaft aus organischem Material | © Andermatt Biogarten AG

Auch ein Garagendach bietet Potential; hier wurde eine Schicht organisches Material in verschiedenen Höhen aufgetragen, so dass eine spannende Hügellandschaft entsteht. Hier profitieren nicht nur Bestäuber, sondern auch Käfer.

Lust darauf bekommen, ein eigenes Gartendossier einzureichen?
Auf der Ausschreibung zum Biodiversitätsgarten sind alle Informationen inklusive Link zur Anmeldung zu finden. Wir freuen uns!

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Informationen rund um die Biodiversität und das naturnahe Gärtnern