Lieblingsprojekt:
Als neustes Projekt wurde aus einem Steinkreis mit Wilder Karde ein grösseres Strukturelement mit einem Käferkeller, bei dem übriggebliebenes Holz aus Birmenstorf genutzt werden konnte. Der Käferkeller ist nicht nur super hübsch anzusehen, sondern bietet auch richtig vielen Krabblern den nötigen Unterschlupf und Schutz - ob vor Hitze oder Kälte. Gerade wenn irgendwo Restmaterialien abzugeben sind, was bei Totholz sehr oft der Fall ist, lässt sich ein solches Element günstig umsetzen, sogar die Kinder können dabei helfen.
Juliane Wenke-Zobler: Das war ein Prozess, als ich den Garten übernommen habe. Jede Gärtnerin beginnt ja etwas anders, und hinterlässt im Garten ihren ganz eigenen Fingerabdruck, so war das auch bei mir. Ich habe mich für Permakultur interessiert und dadurch immer mehr angefangen, den gesamten Kreislauf zu sehen. Auf einmal merkt man: Alles ist für etwas gut, hat seine Daseinsberechtigung und seinen Platz in der Natur. Und das macht das Ganze ja auch unheimlich spannend; man beobachtet den Garten und fragt sich; Wo kommt das Wilde her? Welche Insekten leben von dieser Pflanze? Und wenn man sich einmal beginnt damit auseinanderzusetzen, kommt man fast nicht mehr los.
Der Anfangsbestand im Garten war überschaubar; ein Feigenbaum, sonst nicht viel, und wenn, dann eher Exotisches. Mein Mann hat dann nach und nach mit der Struktur aussen herum begonnen, der Gemüsegarten musste nicht allzu gross sein, wegen unserer Mitgliedschaft bei der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi). Setzlinge ziehe ich dafür auch selber, und wenn man immer etwas an Gemüse zur Blüte kommen lässt, hat es auch etwas für die Insekten. Dafür hatte es Platz für drei Säulenobstbäume und eine Naschecke mit Beeren, und in der Wiesenfläche konnte ich Inseln integrieren, wo's länger wachsen darf, und auch ein Ameisennest mal ungestört bleibt. Die Kletterpflanzen wie Kiwi und Wein spenden angenehmen Schatten und begrünen zusätzlich. Auch für den kleineren Garten gibt es wertvolle Bäume für die Biodiversität, wie z.B. die Ohr-Weide.
Vieles kann man in den Gärtnerinnen-Alltag integrieren: einen eigenen Kompost betreiben (dort wächst dann der Kürbis), Regenwasser sammeln, und aus Beinwell und Schachtelhalm selber Pflanzenjauche herstellen zur Pflanzenstärkung. Besonders am Anfang ist es interessant, einen Gartenplan aufzustellen und über mehrere Jahre die Beobachtungen zu notieren; so sieht man was kommen sollte, was wann wie weit ist. Auch spannend kann das Nutzen von Apps sein wie z.B. Natura DB; dort trägt man die eigenen Pflanzen ein und es wird angezeigt, wie viele und welche Insekten davon profitieren- das gibt Motivation.
Sicher das Klima, da ich kein Bewässerungssystem habe. Es hilft aber der Mulch an heissen Tagen, so muss ich relativ wenig giessen. Dann natürlich der Arbeitsaufwand, den ein Garten mit sich bringt, um eine gewisse Ordnung zu halten und neben Arbeit, Kindern und SoLaWi gute Planung braucht. Aber auch die unterschiedlichen Arten, einen Garten zu bewirtschaften, innerhalb der Familie und auch zwischen den Garten-Nachbarn, verlangt manchmal etwas Flexibilität. ...und teilweise ist es auch einfach schwierig, sich am Ende des Tages wieder vom Garten zu lösen;).
Mit dem biodiversen Gärtnern ist wortwörtlich auch die Biodiversität mit eingezogen- es summt, zirpt und brummt und lebt. Überall raschelt es, es gibt mehr zu entdecken und bleibt (auch fürs Auge) einfach spannend. Man fühlt sich wohl, und die Umgebung tut einfach gut. Das spannende finde ich, wie der Garten jedes Jahr etwas anders aussieht.
Wenn ich hier so vor meinem Gartenhäuschen sitze, sehe ich vor meinem inneren Auge noch irgendein weiteres, geschwungenes Element. Etwas, was noch etwas mehr Struktur bringt, wie zum Beispiel ein Hügelbeet. Auch habe ich noch vorhandenes Totholz oder den Aushub vom Käferkeller, welches ich noch in einem Projekt einbringen kann. Und dann nochweitere Wildstauden oder auch von den Glockenblumen könnten es noch ein paar mehr sein. Davon kann es im Garten nie genug geben.
Oben: Ein kleiner Miniteich zeigt, wie Gewässer auch im Kleingarten ihren Platz finden können. Durch Wasserpflanzen bleibt das Wasser klar und kippt nicht, gleichzeitig bieten sie Verstecke und Laichplätze. Wasserschnecken, Libellen, Wasserkäfer und durstige Vögel finden hier wertvollen Lebensraum oder eine sichere Trinkstelle.
Ein halbschattiger Standort verhindert eine starke Erwärmung und übermässiges Algenwachstum. Eine flache Zone oder eingelegte Steine erleichtern Insekten und Kleintieren den Ein- und Ausstieg.
Oben: Im Steinhaufen finden Reptilien wie Eidechsen sonnige Plätze zum Aufwärmen und gleichzeitig sichere Verstecke vor Feinden. Zwischen den Steinen entstehen kleine Hohlräume, in denen sich Käfer, Spinnen und weitere Insekten ansiedeln.
Rechts: Dicke Totholzäste liegen bewusst auf dem Boden und werden nicht entfernt. In Rissen und Frassgängen im Holz nutzen verschiedene Wildbienenarten, wie die Holzbiene, aber auch Wespen und andere Insekten, die Strukturen als Brut- und Rückzugsraum. Mit der Zeit besiedeln Pilze, Moose und Flechten die Äste und tragen zum schrittweisen Abbau des Holzes bei. In Kombination mit der angrenzenden wilden Ecke entsteht ein vielfältiger Lebensraum
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