«Unser Nutznaturgarten»

  • Gärtner:innen: Benjamin Rubeli

  • Ort / Region: Schwarzenburg (ca. 800 m.ü.M.)
  • Gartennutzer:innen: Benjamin mit Familie und den 4 anderen Wohnparteien, wobei alle ihren eigenen Bereich bewirtschaften und für ein Stückli verantwortlich sind. Zudem leben hier mindestens 6 Stare, die auch hier brüten, Fledermäuse, etwas zu viele Katzen für die Eidechsen, Grasfrösche, Kröten, Molche, Libellen und ihre Larven, Blindschleichen und viele Brennnessel-begeisterte Schmetterlinge (auch Nachtfalter), einmal wurde auch ein Hermelin gesichtet. 
  • Seit wann wird der Garten naturnah gestaltet: Der Garten wird seit Jahrzehnten naturnah bewirtschaftet und gestaltet. Unser Beitrag dazu begann im Jahr 2020
  • Gartengrösse: ca. 939 m2
  • Auszeichnungsjahr: 2026

 

Lieblingsprojekt:

Unser neustes Projekt, den weiteren Naturteich mit Tiefenbereich, in dem man etwas mehr beobachten kann. Wasserläufer, Ruderwanzen und Wasserschnecken sind nicht nur für die Kleinen spannend, auch die Erwachsenen schauen da gerne zu.

Auch das Stauden selber ziehen hat mich gepackt; die Trockenmauer konnte mit selbstgezogenen Wildstauden gestaltet werden, das ist natürlich super erfreulich.

Porträt von Benjamin Rubeli, der mit seiner Familie und vier weiteren Wohnparteien einen 939 m² grossen Naturgarten bewirtschaftet | © Andermatt Biogarten AG
Es braucht Struktur und viele einheimische Pflanzen- dann nur nicht zu viel machen, sondern auch mal sich selber überlassen.
Benjamin Rubeli
Steinelemente im Naturgarten beim Wohnhaus, das sich fünf Wohnparteien teilen | © Andermatt Biogarten AG

Erfüllte Kriterien

  • Frühjahr- oder Herbstblüher
  • Wildblumenwiese oder Ruderalstandort
  • Hecke aus heimischen Sträuchern
  • Brutgelegenheit für Vögel
  • Vogeltränke / Vogelbad
  • Winter- oder Tagesverstecke für Kleinsäuger
  • Winter- oder Tagesverstecke für Insekten
  • Nistmöglichkeiten für Wildbienen
  • Feuchtbiotop / Teich
  • Lehmtankstelle / Sandarium
  • Trockensteinmauer
  • Biotopbaum
  • Mischkulturen oder nützlingsfördernde Pflanzen
  • Dach- oder Mauerbegrünung
  • Störelemente auf ein Minimum reduziert
  • Gefahren für Kleintiere auf ein Minimum reduziert

Im Gespräch mit Benjamin Rubeli

Andermatt Biogarten: Was hat dich dazu animiert, einen Biodiversitätsgarten zu gestalten?

Benjamin Rubeli: Der Grüne Daumen begleitet uns schon länger, daher haben wir nach einem passenden Plätzli für uns geschaut, wo man auch selber etwas schaffen kann. Der Cousin meiner Frau ist in der Landschaftsgestaltung tätig und konnte natürlich gut beraten. Die erste Trockensteinmauer haben wir mit ihm zusammen geplant, danach vieles in Eigenleistung erstellt und einfach mal gebaut - ein bisschen schlau gemacht, klar, aber dann einfach mal machen. Die meisten Sachen kann man sich gut selber beibringen, Infos gibt es genug, und Menschen, die ihr Wissen gerne weitergeben, auch.

Mir gefällt auch einfach, wie ein biodiverser Garten aussieht; ich mag das Unaufdringliche lieber, als das krass gefüllte, überladene. Wildrosen und Wildblumen sind einfach schön.

Womit hast du im biodiversen Garten begonnen, was empfiehlst du als Einstieg für Neuinteressierte?

Ich persönlich habe mit dem Bau einer Trockenmauer begonnen. Sie war mein erstes Biodiversitätsprojekt in unserem Garten, weil wir einen Aussenplatz mit Abendsonne schaffen wollten. Für den Einstieg ins Naturgärtnern würde ich empfehlen, sich einfach ein Projekt auszusuchen, das gut zum eigenen Garten, den persönlichen Möglichkeiten und den Bedürfnissen passt. Das kann, wie bei mir, eine Trockenmauer sein, aber genauso gut ein Teich, ein Sandarium, ein Magerbeet, eine Hecke mit einheimischen Wildsträuchern oder eine Benjeshecke. Wichtig ist, überhaupt anzufangen. Jedes einzelne Element schafft neuen Lebensraum und macht den Garten Schritt für Schritt vielfältiger. Mit der Zeit ergeben sich von selbst weitere Ideen und Projekte.

Was für Herausforderungen hast du erlebt und wie hast du sie gemeistert? 

Die Armenische Brombeere- davon entfernen wir jeden Herbst gefühlt bergweise. Sie wurde vor vielen Jahren einmal extra angepflanzt, da konnte noch keiner ahnen, wie gut es ihr gefällt und wie sie wuchert. Deshalb: Augen auf bei der Pflanzenwahl. Am Anfang hat sie alles überwuchert, und die Pfaffenhütchen kamen erst zum Vorschein, als die Brombeere etwas beiseite geschafft wurde. Katzen sind natürlich ein Problem, und im Gemüsegarten die Wühlmäuse und die Schnecken (muss man jeden Tag absammeln). Im Naturgarten hingegen gibt es weniger solcher Probleme. Der Naturgarten kann man im Vergleich zum Gemüsegarten mehr sich selber überlassen und muss nur kontrollierend eingreifen, falls nötig.

Welche Veränderungen im Gartenleben konntest du beobachten?

Sobald Wasser da ist, kommen die Tiere (Kröten, Libellen, ...), dieses Element scheint der Grösste Boost zu sein. Seit (Tot)holz rumliegt, kommen die nützlichen Tigerschlegel und auch die Weinbergschnecke und die Holzbienen. Jetzt wünschen wir uns eigentlich noch, dass der Igel bei uns einzieht. Zahlreiche Asthaufen stehen für ihn bereit, aber bis jetzt hat er es noch nicht bis hierher geschafft.

Was ist in Zukunft noch geplant?

Die Böschung hinter dem Haus darf noch etwas vielfältiger werden, und einzelne Ecken noch etwas wilder belassen. Der Weg wächst jetzt noch etwas zu, das passt ganz gut, und die Stauden wandern etwas nach unten. Sprich es ist wie gesagt: einfach mal machen lassen. Entfernen nur, was muss, wie zum Beispiel die Gewöhnliche und die Fünffingerige Jungfernrebe, ein invasiver Neophyt (manchmal auch Wilder Wein genannt, ist aber nicht zu verwechseln mit der Wilden Weinrebe, die hier heimisch ist). 

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung und vielen Dank, dass Ihr mit Eurem Garten als Biodiversitäts-Vorbild wirkt, Benjamin und Familie!

Ziegelturm und Totholz bieten Wildbienen, Schlupfwespen, Laufkäfern und Spinnen Nistplätze und Verstecke, im Hintergrund stehen Wildrosen | © Andermatt Biogarten AG

Das Totholz und der Ziegelturm bieten Wildbienen, Schlupfwespen, Laufkäfern und Spinnen Nistplätze und Verstecke, während die Wildrosen im Hintergrund Pollen und Nektar für Insekten sowie Schutz und Hagebutten für Vögel liefern.

Sonniger, trockener und gut zugänglicher Nistturm für solitär lebende Wildbienen, Grabwespen und andere Nützlinge | © Andermatt Biogarten AG Gemüsespirale statt Kräuterspirale: Rund um den Hügel wächst Gemüse, zuoberst beginnt die Rutschbahn | © Andermatt Biogarten AG

Oben: Der Nistturm steht sonnig, trocken und gut zugänglich – ideal für solitär lebende Wildbienen, Grabwespen und andere Nützlinge, die warme, geschützte Hohlräume brauchen.

Unten: Statt einer Kräuterspirale gibt es hier die Gemüsespirale: Rund um den Hügel wird Gemüse angebaut, und zuoberst startet die Rutschbahn, so profitieren alle.

teinturm aus unterschiedlich grossen, locker geschichteten Steinen mit Spalten und Hohlräumen für Eidechsen | © Andermatt Biogarten AG

Der Steinturm aus unterschiedlich grossen Steinen bietet Spalten, Hohlräume und sonnenwarme Flächen als Rückzugsort für Eidechsen. Durch das lockere Schichten der Steine entsteht wichtiger Lebensraum und ein Wärmespeicher. Sind die Hohlräume bei Steinhaufen gross genug, werden sie auch von Wieseln gerne genutzt.

Lust darauf bekommen, ein eigenes Gartendossier einzureichen?
Auf der Ausschreibung zum Biodiversitätsgarten sind alle Informationen inklusive Link zur Anmeldung zu finden. Wir freuen uns!

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Informationen rund um die Biodiversität und das naturnahe Gärtnern