BIOGARTEN-BLOG | Claudia's Rezepte aus Garten, Wald und Wiese
Wenn die warmen Sonnenstrahlen im Frühjahr die Nase kitzeln, zieht es mich und meine Kinder raus auf die Wiese – mit einem Korb in der Hand und der Vorfreude auf ein kleines Frühlingsabenteuer im Grünen. Denn es ist wieder soweit und nicht zu übersehen; die Wiesen sind übersät von den gelben Löwenzahnblüten, die um die Wette leuchten. Von April bis Mai ist der perfekte Zeitpunkt, sie zu sammeln und daraus diesen feinen Löwenzahnhonig selber herzustellen.
Dennoch ist er vielen unter diesem Namen bekannt und erfreut sich grosser Beliebtheit – auch wenn die Bezeichnung zunächst etwas irreführend sein kann. Denn mit klassischem Bienenhonig hat er nichts zu tun. Stattdessen handelt es sich um eine rein pflanzliche, vegane Alternative, die aus Löwenzahnblüten, Wasser, Zucker und Zitrone hergestellt wird.
Kleiner Funfact am Rande: Warum heisst Löwenzahn eigentlich Löwenzahn? Ein Blick auf die grünen Blätter genügt: Ihre spitzen Zacken erinnern an die Zähne eines Löwen.
Am besten sammelt man die Blüten an einem sonnigen, trockenen Tag auf einer Wiese fernab von stark befahrenen Strassen. Mit einem Korb oder einer Schüssel im Gepäck hat man schon alles, was man braucht – oder vielleicht nicht ganz. Wie wär's noch mit einer Küchenwaage? Hört sich lustig an – aber wüsstest du, wie viele Hände voll 300 g Löwenzahnblüten sind? Siehst du ;-) Sind Kinder dabei, ist es doch eine schöne Aufgabe, wenn sie zwischendurch die Ernte kontrollieren dürfen. Dabei geht es nicht darum, das Gramm genau abzumessen. Aber es hilft, dass man eben genug – oder nicht viel zu viel – erntet.
Hat sich der Korb mit den gelben Blüten gefüllt, geht’s zu Hause weiter. Mit den Blüten wird zuerst ein Auszug gekocht, der über Nacht ziehen muss, damit schlussendlich möglichst viel vom Geschmack des Löwenzahns im Glas landet. Erst am zweiten Tag wird der Auszug zum Löwenzahnhonig eingekocht.
Für den Auszug zupft man die gelben Blütenblätter aus den grünen Kelchen und kocht sie zusammen mit Wasser auf. In meiner Erinnerung bin ich als Kind gefühlt stundenlang auf der Terrasse gesessen und habe die gelben Blütenblätter ausgezupft. Heute habe ich einen Tipp: Küchenschere zücken – schnipp schnapp, grüne Kelche ab – fertig. ;-)
Es ist überhaupt kein Problem, wenn auch noch einzelne grüne Blättli in der Schüssel landen. Es gibt Leute, die sich diesen Schritt sogar ganz sparen und die Kelche gleich mitkochen. Da der Löwenzahn Bitterstoffe enthält, könnte der Löwenzahnhonig dann etwas bitter werden. Ausprobiert habe ich es noch nie.
Wenn der Auszug über Nacht durchgezogen hat, wird er gesiebt und mit Zucker und Zitrone zum Löwenzahnhonig eingekocht. Fertig ist ein lässiges Projekt – und dann wird nur noch genossen; auf dem Brot, im Müesli oder Tee.
Für 4 Gläser à 2 dl
Haltbarkeit: Kühl und dunkel gelagert mind. 1 Jahr. Kristallisiert der Aufstrich, stelle ich das Glas in ein heisses Wasserbad.
Dauer:
Das Einkochen dauert relativ lange, die Zeit gilt als ungefähre Angabe. Denn jeder Herd kocht etwas anders, und je nach verwendeter Stufe dauert's kürzer oder länger.
Probe nehmen:
Gegen Ende der Einkochzeit nehme ich gerne ein paar Proben, um die richtige Konsistenz zu überprüfen. Erst nach vollständigem Auskühlen sieht man die effektive Konsistenz.
Ist der Aufstrich nach dem Abfüllen zu dünn oder zu dick, wäre dies ärgerlich. Darum lohnt sich die Probe. Dafür gebe ich einen Unterteller in die Tiefkühltruhe und lasse ihn kalt werden. Dann gebe ich einen Klecks aus der Pfanne darauf und lasse ihn vollständig abkühlen (ebenfalls im Tiefkühler). Ist die Probe noch zu flüssig, wird der Aufstrich für weitere 10 Min. gekocht.
Die richtige Konsistenz ist erreicht, wenn die ausgekühlte Probe honigartig ist und nur langsam wieder zusammenläuft, wenn man mit dem Finger durch die Probe fährt.
Gläser vorbereiten und Abfüllen:
Gläser und Deckel lose in einer Pfanne mit kochendem Wasser ein paar Minuten auskochen. Sind die Gläser im Geschirrspüler gereinigt worden, sollte dies auch ausreichen – Deckel hingegen koche ich vorher immer aus. Dann stelle ich die Gläser vor Zugluft geschützt auf ein grosses Schneidbrett. Abtrocknen tue ich nur die Deckel.
Die Gläser wärme ich vor dem Abfüllen sowieso wieder vor, dazu gebe ich kurz vorher heisses Wasser in jedes Glas. Somit laufe ich weniger Gefahr, dass ein Glas beim Abfüllen der kochend heissen Masse zerspringen könnte. Ich lege mir einen frischen, sauberen Lappen bereit und sobald der Aufstrich langsam fertig eingekocht ist, fülle ich die bereitgestellten Gläser mit heissem Wasser und leere sie anschliessend wieder aus.
Heisse Gläser am besten mit einem Lappen anfassen. Nun sofort den eingekochten Aufstrich einfüllen. Sollte etwas auf den Rand gekommen sein, wische ich es mit dem Lappen weg. Nun werden die Gläser noch mit dem Deckel verschlossen – dazu nehme ich gerne ebenfalls den Lappen in die Hand, denn es ist eine heisse Angelegenheit.