Schädlingsportrait
Aktualisiert am: 12.08.2026
Bei akutem Blattlausbefall holt ein kräftiger Wasserstrahl den grössten Teil der Kolonie sofort von der Pflanze. Was danach übrig bleibt, lässt sich mit einem biologischen Spritzmittel auf Basis natürlicher Fettsäuren behandeln.
Die eigentliche Arbeit übernehmen danach Nützlinge: Eine einzige Marienkäfer- oder Florfliegenlarve frisst bis zu 100 Blattläuse pro Tag. Vorbeugend halten Mischkulturen mit Lavendel, Salbei oder Bohnenkraut die Läuse fern, und eine Ameisenbarriere unterbricht das Bündnis zwischen Läusen und Ameisen.
Wichtig: Spritzmittel und Nützlinge nie gleichzeitig einsetzen – erst behandeln, dann warten bis das Mittel sauber abgetrocknet ist, danach die Nützlinge ansiedeln.
Blattläuse (Aphidoidea) setzen sich besonders im Frühling gnadenlos an Blüten, Blättern und Stängeln fest und saugen den Pflanzen den Lebenssaft aus. Das Wachstum der befallenen Pflanzen wird gestört, bei starkem Befall können sie eingehen.
Die auf Pflanzensaft spezialisierten Blattläuse saugen mit ihrem Rüssel ihre Leibspeise aus den Wirtspflanzen und locken mit ihren Ausscheidungen – dem Honigtau – weitere Insekten wie Ameisen an, welche den Honigtau als Nahrungsquelle nutzen. Als Dank für den Honigtau verteidigen die Ameisen die Blattläuse und schützen diese vor Fressfeinden wie Marienkäfer- und Florfliegenlarven. Die klebrigen Ablagerungen des Honigtaus bieten Pilzen wie Sternrusstau einen idealen Nährboden.
Das bietet diese Seite zum Thema Blattläuse
Blattläuse sind 1 bis 3 Millimeter klein und sitzen fast immer dort, wo die Pflanze am weichsten ist: an frischen Triebspitzen, jungen Blättern und Knospen. Meistens entdeckt man sie nicht einzeln, sondern gleich als dichte Kolonie. Ein zweites, oft früheres Anzeichen sind klebrig glänzende Blätter – das ist der Honigtau, und wo er auftritt, sind die Läuse meist schon eine Weile am Werk.
Man muss sie nicht alle beim Vornamen kennen. Fast alle Blattläuse gehören zur Familie der Röhrenblattläuse, saugen am gleichen Saftstrom, haben die gleichen Feinde und lassen sich mit den gleichen Mitteln bremsen. Welche Art vor Ihnen sitzt, lässt sich mit blossem Auge gut eingrenzen:
| Aussehen | Vermutlich | Häufig an |
|---|---|---|
| Grün bis rosa, an weichen Triebspitzen, Blätter bleiben flach | Grosse Rosenblattlaus (Macrosiphum rosae), Grüne Apfelblattlaus (Aphis pomi) |
Rosen, Apfel, Gemüse |
| Mattschwarz, in dichten Kolonien | Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae), Schwarze Kirschenblattlaus (Myzus cerasi) |
Bohnen, Gemüse, Holunder, Kapuzinerkresse, Kirsche |
| Blätter stark eingerollt und gekräuselt, Läuse im Blattinnern versteckt | Mehlige Apfelblattlaus (Dysaphis plantaginea), Grüne Zwetschgenblattlaus (Brachycaudus helichrysi), Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) |
Apfel, Zwetschge, Kirsche, Pfirsich, Obstgehölze, Peperoni, Salat, Kohl |
| Rote oder gelbe Blasen auf der Blattoberseite, Läuse darunter | Johannisbeerblasenlaus (Cryptomyzus ribis) | Johannisbeere |
| Mehlig bestäubt auf der Blattunterseite, kaum Kräuselung | Mehlige Pflaumenblattlaus (Hyalopterus pruni) | Zwetschge, Pflaume |
| Weisse, wattige Polster am Holz, an Rinde und Astwunden | Blutlaus (Eriosoma lanigerum) – eine Blattlaus, aber mit Wachsmantel | Apfel |
| Weisslich, wattig-wollig in Blattachseln | Woll- und Schmierläuse (Pseudococcidae) *– keine Blattläuse | Zimmerpflanzen, Kakteen, Kübelpflanzen |
* Woll- und Schmierläuse sind streng genommen keine Blattläuse, sondern gehören zur Überfamilie der Schildläuse. Sie werden hier aufgeführt, weil sie oft verwechselt werden – und weil sie andere Massnahmen brauchen.
Klebrig, glänzende Blätter haben Honigtau an der Oberfläche. Das ist keine Blattlausart, sondern die zuckrige Ausscheidung der Läuse – und damit ein sicheres Zeichen, dass sie da sind.
Warum die Unterscheidung zählt: Grüne und schwarze Blattläuse lassen sich mit denselben Massnahmen regulieren. Woll- und Schmierläuse dagegen schützen sich mit einer Wachsschicht, an der viele Mittel abperlen – hier braucht es andere Nützlinge und etwas mehr Geduld.
Wann treten Blattläuse auf? Ab dem Frühling, sobald die ersten weichen Triebe da sind. Die Läuse sind dann früher aktiv als ihre Fressfeinde – deshalb haben sie zu Saisonbeginn einen Vorsprung und bauen ungestört Kolonien auf. Wer ab April regelmässig die Triebspitzen kontrolliert, erkennt den Befall, solange er noch klein ist.
Wenn die Kolonie bereits sichtbar ist und die Triebe sich zu verformen beginnen, hilft Vorbeugung nicht mehr weiter. Dann gilt: erst den Bestand brechen, danach den Nützlingen das Feld überlassen.
Nach der Behandlung warten, bis der Spritzbelag abgetrocknet ist – erst danach Nützlinge einsetzen. Sonst schadet die Behandlung genau den Helfern, die den Befall dauerhaft in Schach halten sollen.
Damit schneller Nützlinge ans Werk gehen und den Blattlauskolonien das Leben und Vermehren schwer machen, kann man auch Nützlinge ansiedeln.
Ob Marienkäferlarven, adulte Käfer oder Florfliegenlarven – jeder der genannten Nützlinge hat seine Spezialitäten, aber jeder kann von Blattläusen nicht genug kriegen und bedient sich gerne am Läusebuffet im heimischen Garten.
Um das Ganze effizienter zu gestalten sind jedoch ein paar Punkte für den Erfolg zu beachten.
Bei der Wahl der Nützlinge sollte man zusätzlich die direkte Umgebung beachten. Ein Marienkäfer gegen Blattläuse im offenen Garten auszusetzen, kann erste Erfolge bieten und vielleicht sogar nachträglich noch Marienkäferlarven generieren.
Bereits ein windiger Tag beim Aussetzen der Käfer kann dies verhindern und der Nachbar freut sich dann, weil die Käfer mit dem Wind wegfliegen. In Treibhäusern oder «geschlossenen» Systemen ist der Marienkäfer jedoch Gold wert, da er viel agiler ist und von Pflanze zu Pflanze fliegen kann.
Für den Garten draussen sind Larven (von Marienkäfern oder Florfliegen) die bessere Wahl. Sie bleiben stationär auf Ihren Pflanzen, wo sie ausgesetzt wurden, futtern sich durch den Blattlausbefall und verzehren dabei bis zu 100 Blattläuse oder mehr pro Tag. Nach 1 bis 3 Wochen (je nach Witterung und Temperaturen) verpuppen sie sich und nach weiteren 1 bis 2 Wochen schlüpfen sie als Käfer.
Kurz bevor in der Natur die ersten Marienkäfer schlüpfen, beginnen sich die ersten Blattlauskolonien zu bilden und bevölkern mit Vorliebe zarte Pflanzentriebe.
Um dieses Treiben rechtzeitig und wirksam zu unterbinden, eignet sich der Einsatz von Nützlingen: Sie nutzen das natürliche Räuber-Beute-Verhältnis.
Gegen Blattläuse können sowohl die Larven als auch die ausgewachsenen (adulten) Käfer des einheimischen Zweipunkt-Marienkäfers (Adalia bipunctata) ausgesetzt werden. Vorzugsweise werden Larven verwendet. Sie verzehren 100 oder mehr Läuse pro Tag. Sie suchen systematisch die Pflanzen nach Blattläusen ab.
In diesem Video zeigen wir, wie Käfer oder die Larven auf die von Blattläusen befallenen Pflanzen verteilt werden.
Blattlausbefall ist für sämtliche pflanzliche Kulturen ein Fluch – und somit auch für die Gärtner. Vor allem, weil sie eine Art Dominoeffekt auslösen. Kaum sind die Blattläuse auf einer Pflanze am Werk, krabbeln bereits die ersten Ameisen die Pflanzenstängel hoch und «melken» die saugende Plage.
Für zahlreiche Nützlinge, welche sich gern im naturnahen Garten aufhalten, sind die Blattläuse eine wichtige Nahrungsquelle. In der Regel ist es leider so, dass sich die Schädlingspopulationen – hier die Blattläuse – vor dem Auftauchen der Nützlinge, zum Beispiel Marienkäferlarven – breit machen. Sprich, erste Schäden entstehen, bevor die Nützlinge mit dem «Aufräumen» beginnen.
Hinzu kommt, dass die Blattläuse nicht nur äusserst effizient im Aussaugen von Pflanzensaft sind und so der Pflanze wichtige Aminosäuren und Kohlenhydrate entziehen – sie sind auch äusserst flink in der Vermehrung.
Auch Standortwechsel stellen kein Hindernis dar. Wird es auf der einen Wirtspflanze mit den zahlreichen Generationen an Blattläusen zu eng, entwickeln sich geflügelte Nachkommen, welche zur nächsten Pflanze fliegen und dort die nächste Kolonie aufbauen.
Um die gerne befallenen Pflanzen einen pflanzlichen Abwehrgürtel legen, am besten mit einer Mischkultur, welche Blattläuse UND Ameisen fernhält. Dafür bestens geeignet sind neben dem allseits bekannten Lavendel zahlreiche andere Kräuter- und Aromapflanzen wie Salbei, Bohnenkraut und Rosmarin. Auch Pfefferminze kann helfen, vermehrt sich aber auch fast so gerne wie die Blattläuse, wenn es ihr gefällt.
Den Garten und die Beete bzw. Kulturen so anlegen, dass Nützlinge darin ebenfalls ihren Platz finden und gerne ihren wertvollen Beitrag leisten, damit Schädlinge im Garten nicht überhandnehmen. Infos dazu haben wir auf unseren Seiten zum Thema Biodiversität zusammengestellt – inklusive einer Liste der Top Pflanzen für die Biodiversität und somit auch für das Gleichgewicht zwischen Nützlingen und Schädlingen.
Zu beachten ist, dass man Nützlinge nicht nur anlocken, sondern auch zum Bleiben und Vermehren verleiten kann. Nisthilfen und Rückzugsorte für Schutz und Überwinterung gehören dabei auch dazu. Und natürlich braucht es Geduld – dafür wird man mit nachhaltigem Schutz belohnt und hat danach eine «Taskforce» der biologischsten Art für die erfolgreiche Schädlingsbekämpfung.
Man kann somit einiges gegen Blattläuse tun, indem man angelockte und angesiedelte Nützlinge die Arbeit machen lässt. Dabei sollte man die generelle Pflanzengesundheit im Auge behalten. Gesunde Pflanzen sind weniger anfällig und verkraften eine vorübergehende Blattlausinvasion besser als bereits geschwächte. Werden die Pflanzen befallen, bevor die Nützlinge aktiv sind, leistet ein biologisches Spritzmittel die nötige Vorarbeit.
Mehr Informationen zu Nützlingen im eigenen Garten und was man ihnen bieten sollte, damit sie bleiben, ist auf der Seite «Nützlinge im Garten erkennen und fördern» nachzulesen.
Viele Blattlausarten überwintern als Ei an den Zweigen von Obstbäumen, Beerensträuchern und Ziergehölzen. Wer im Vorjahr stark befallene Gehölze hatte, kann die Ausgangspopulation für die neue Saison schon vor dem Austrieb senken – mit einer Winterölspritzung im März, in einer frostfreien, trockenen Periode (Tag & Nacht; Tagestemperatur mind. 12°C). Dasselbe Mittel, das im Sommer gegen die Läuse selbst hilft, erwischt im Spätwinter also bereits ihre Eier. Das erspart im Frühling einiges an Nacharbeit.
Bei krautigen Pflanzen wie Gemüse und Stauden entfällt dieser Schritt: Dort startet die Saison ohnehin mit einem frischen Bestand, und die Läuse wandern erst im Frühjahr zu.
Im Zimmer sieht die Sache etwas anders aus als im Beet: Es gibt keine Marienkäfer, die von selbst vorbeikommen, und trockene Heizungsluft schwächt die Pflanzen zusätzlich.
Dafür fällt ein Befall meist früher auf, weil man die Blätter regelmässig im Blick hat.
Vorgehen: Zuerst die Pflanze in der Dusche oder am Lavabo kräftig abbrausen – Erdballen dabei mit einem Beutel abdecken, damit er nicht überschwemmt wird. Danach die Luftfeuchtigkeit erhöhen, etwa mit einer Schale Wasser in der Nähe. Bleiben Läuse übrig, wirkt ein biologisches Fettsäure-Präparat auch im Zimmer; hier lohnt sich die Behandlung an einem hellen, aber nicht sonnigen Platz.
Bei weisslich-wolligen Läusen – Woll- und Schmierläusen – braucht es mehr Geduld. Ihre Wachsschicht schützt sie vor Spritzmitteln; wirksamer sind spezialisierte Nützlinge, die sich in Innenräumen gut halten.
Mehr zum Thema Zimmerpflanzen unter «Zimmerpflanzenpflege: Pflanzen im Haus – so bleiben sie gesund».
| Situation | Empfehlung | Wirkt |
|---|---|---|
| Akuter, starker Befall | Abspritzen, danach Natural | sofort |
| Befall im Gewächshaus oder Wintergarten | Marienkäfer (adulte Käfer) | wenige Tage |
| Befall im Freiland | Marienkäfer- oder Florfliegenlarven | 1 – 3 Wochen |
| Ameisen bewachen die Kolonie | Ameisenbarriere zusätzlich anbringen | sofort |
| Befall an Zimmerpflanzen | Abbrausen, danach Natural oder Insect-Ex | sofort |
| Befall an Obstbäumen und Ziergehölzen | Rappol Plus oder Rapisal | sofort |
| Überwinternde Eier an Obst und Gehölzen | Rappol Plus als Austriebsspritzung (März) | im Frühjahr |
| Vorbeugung im Beet | Mischkultur mit Lavendel, Salbei, Katzenminze | ganze Saison |
Spritzmittel und Nützlinge nie gleichzeitig einsetzen: erst behandeln, warten bis der Spritzbelag vollständig abgetrocknet ist, danach die Nützlinge ansiedeln.
Spülmittel-Lösungen und Milch-Wasser-Gemische wirken durchaus gegen Blattläuse – nur eben nicht nur gegen sie. Die Tenside im Spülmittel lösen die Wachsschicht der Läuse auf, greifen aber auch jene der Blätter an: Empfindliche Pflanzen reagieren mit Verbrennungen, und Marienkäferlarven trifft es ebenso zuverlässig. Was am Blatt abläuft, versickert zudem im Boden – Spülmittel ist für die Spüle gemacht und enthält je nach Produkt Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe, die im Beet nichts verloren haben. Milch wiederum trocknet auf dem Blatt ein und bietet Pilzen einen Nährboden, ausgerechnet dort, wo der klebrige Honigtau ohnehin schon Russtau begünstigt. Im ungünstigsten Fall sind die Blattläuse weg und das Problem ein anderes.
Ein weiterer Klassiker, der Zwiebel- oder Knoblauchsud, ist immerhin unbedenklich – er wirkt allerdings nur als Duftbarriere, und die ist nach dem nächsten Regen wieder weg. Das Prinzip dahinter stimmt durchaus: Blattläuse orientieren sich am Geruch ihrer Wirtspflanze und lassen sich davon irritieren. Nur lässt es sich dauerhafter umsetzen, indem man die duftenden Pflanzen gleich ins Beet setzt, statt sie auszukochen. Eine Mischkultur duftet die ganze Saison – ohne Nachspritzen nach jedem Regen.
Immer noch am Rätseln? Nicht jedes Schadbild lässt sich anhand einer Beschreibung eindeutig zuordnen – und wer den Übeltäter kennt, spart sich Fehlversuche. Fotografieren Sie die befallene Pflanze einmal aus der Distanz und den Schädling oder das Schadbild in Nahaufnahme, am besten mit einem Massstab daneben; ein Lineal oder ein Feuerzeug genügt. Schicken Sie uns die Bilder über unser Formular zur Schädlingsbestimmung – unsere Fachberatung sagt Ihnen, was Ihre Pflanze plagt und was dagegen hilft.